Aufbruchstimmung
Wir sind alle unsere Möbel losgeworden und auch das ein oder andere gute Stück hat auf unserer Fledderparty einen neuen Besitzer gefunden. Unsere Wohnung ist leer und ungemütlich. Überall stehen die Kartons mit unseren letzten Habseligkeiten herum, wir schlafen auf der Matratze, spülen in der Badewanne und ernähren uns nur noch von kalten Mahlzeiten. Wir können es kaum noch erwarten, unsere letzten Sachen zu packen und gen Norden zu unserem Schiff zu fahren. Nur noch wenige Tage bis zur Abfahrt. Dann, endlich, ist es soweit. Am Dienstag nachmittag, 13.05.2008, holen wir den Transporter. Jetzt muss alles schnell gehen, da wir noch am Abend aufbrechen wollen. Wir laden den letzten Sperrmüll in den Transporter, bringen ihn zum Wertstoffhof. Danach heisst es Einladen der letzten Habseligkeiten. Das dauert bestimmt nicht lange, haben ja nicht mehr so viel, dachten wir. Denkste… Das Einladen und letzte Besenschwingen in der leeren Wohnung hat dann doch noch mehr Zeit in Ans
pruch genommen als erwartet. Wir sind total fertig, als wir endlich alles im Transporter verstaut haben, überlegen, ob wir noch eine Nacht in unserer Wohnung verbrin
gen oder gleich aufbrechen wollen. Wir entscheiden uns fürs Aufbrechen, wollen endlich los. Wir sind beide etwas müde, aber das Schiff ruft. Ich sitze anfangs am Steuer, lass Thomas noch etwas ausruhen. Es herrscht eine schöne Aufbruchstimmung. Endlich unterwegs!!! Nach so vielen Wochen der Planung, Organisation, Abarbeiten unserer Checklisten geht´s endlich los. Wir können es noch gar nicht so recht begreifen. Fahren einfach raus aus München auf die A9 Richtung Nürnberg. Die Fahrt läuft rund, wenig Verkehr, nach ei
ner kurzen Schlafpause geht´s weiter. Es ist 05:30 Uhr, wir sind kurz vor Hamburg, die Sonne ist schon längst aufgegangen. So wird auch unsere Vorfreude auf unser Schiff von Minute zu Minute größer. Maasholm, unser Heimathafen, rückt immer näher… Die letzte Ausfahrt, die letzte Biegung und wir sind endlich am Ziel! Lange hat´s ja gedauert… Kaum haben wir
den Motor abgestellt, laufen wir zum Schiff, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Das Schiff sieht gut aus in seinem Friesennerz. Klettern hoch, nehmen die Plane ab, das Deck sieht besser aus als befürchtet. Keine großen Rostbeulen haben sich über den Winter gebildet. Wir sind überglücklich. Dann packen wir gleich ohne Pause wieder an,
schleppen die ersten Sachen aufs Schiff (das noch aufgebockt ist). Über eine Leiter geht’s hoch und runter, gar nicht so einfach mit all den Kisten… Aber Thomas ist ja stark und trägt sie auf der Schulter hoch. Das Chaos, das wir in München in den Transporter geladen haben, breitet sich nun im ganzen Schiff aus. Überall Kartons, nicht gerade praktisch für ein Schiff! Aber das Auspacken geht ruck zuck. Später sieht Anna, die 6 Jahre lang mit ihrem Mann mit dem Schiff unterwegs war, vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und ist ganz erstaunt, wie weit wir schon sind. Unsere Bücherkisten dürfen wir für
die nächsten Wochen bei Anna und Burkhard im Gartenhäuschen unterstellen. Vielen Dank nochmals dafür, Anna und Burkhard! Das war eine große Hilfe. Überhaupt haben uns die beiden in unserer Anfangszeit super unterstützt. Uns beim Maststellen und Anbringen der Wanten und Stagen geholfen, Arztbesuche organisiert, uns beim letzten Bunkern geholfen, etc., etc. Echt toll!
Für die ersten paar Tage mieten wir uns in eine Ferienwohnung ein, um nicht in dem ganzen Chaos leben zu müssen und uns damit noch mehr Stress zu machen. Wie es der Zufall will, mieten wir uns beim Bürgermeister ein, der auch total hilfsbereit ist, nimmt uns nach der Rückgabe des Transporters in Eckernförde wieder mit nach Maasholm, da die öffentliche Verbindung zu Maasholm wirklich bescheiden ist. Die Zeit vergeht schnell. Bald ist das Schiff im Wasser und wir können die restlichen Sachen an Bord nehmen. Ob wir das alles unterb
ringen??? Kein Problem mit unserer Lorbas. Wir haben Platz ohne Ende. Auch, nachdem wir unsere ganzen Bücher verstaut haben, ist noch Platz! Aber den brauchen wir ja noch für die ganzen Lebensmittel, die wir später noch bunkern. Im Wasser fühlen wir uns schon viel wohler, alles ist etwas einfacher, haben Wasser, Strom und können uns schon an das Bordleben gewöhnen. Es ist noch einiges zu tun an Bord, bevor wir losziehen können… Vieles davon müssen wir unterwegs erledigen. Hauptsache, das Wichtigste funktioniert.
Die Tage in Maasholm sind immer voll verplant. Von morgens bis abends basteln wir an unserem Schiff herum. Haben kaum mal eine Minute Zeit für uns. Es ist noch schlimmer als im Job! So hatten wir uns das nicht vorgestellt, aber die ruhige Zeit kommt hoffe
ntlich bald… Maasholm ist ein ganz kleiner Ort, in dem es ausser einem kleinen Tante-Emma laden und ein paar Restaurants nicht viel gibt. Es ist total idyllisch dort. Jeden Tag schlendern einige Touristen durch den Ort. Die nächst größere Stadt, Kappeln, liegt 12 km entfernt. Immer, wenn wir etwas benötigen, sei es nur eine Schraube oder doch mal einen Großeinkauf tätigen wollen, heißt es, Anhänger ans Fahrrad und ab nach Kappeln. Das macht man natürlic
h nicht aus purem Spaß, auch wenn die Strecke dorthin und auch Kappeln selbst total idyllisch sind.
Sobald abzusehen ist, wann unsere Reise losgeht, verkaufen wir unsere Fahrräder samt Anhänger über ebay. Thomas sein Fahrrad ist sofort weg… Auch mein Fahrrad konnte ich noch gut verkaufen. Auch einige unserer Segelbücher, die wir schon gelesen und nicht mit auf die Reise nehmen wollen, verkaufen wir in einem kleinen Seg
elladen in Maasholm. Das Geld können wir noch gut gebrauchen.
Anna hilft uns beim letzten Bunkern vor der Abfahrt. Kistenweise schleppen wir Konservendosen, Milch, Saft, Essig, Öl, etc. aufs Schiff. Anna wünscht uns viel Spaß beim Einräumen, das bestimmt einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Aber dem ist gar nicht so. N
ach 1 1/2 Stunden ist alles verstaut. Das hätten wir auch nicht gedacht!
Abends verabschieden wir uns noh von Anna und Burkhard. Zu dritt leeren wir eine 2 L Sektflasche, wir sind alle ziemlich betütelt. Irgendwie schon komisch. Nach 8 Wochen soll es nun endlich auf unsere Reise gehen. Maasholm ist so eine Art zweite Heimat für uns geworden, auch wenn wir darauf brennen, Neues zu sehen.








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