Schiff klar für die Reise

Nachdem wir die ersten Kisten an Bord getragen haben, mussten wir erst einmal Platz für all unsere Habseligkeiten schaffen. Alle Stauplätze wurden ausgeräumt, jedes Teil in die Hand genommen und dann entschieden, was damit gemacht wird. Wir wollten nicht den gleichen Fehler wie in München machen und Sachen, die wir womöglich irgendwann in der Zukunft mal wieder gebrauchen könnten, aufheben. Im Ausmisten waren wir ja schon geübt. Unzählige Schätze fanden sich auf dem Schiff, wir könnten ein kleines Ersatzteillager aufmachen. Diese wollten wir natürlich erst einmal behalten, vielleicht können diese später gegen was Nützliches eingetauscht werden.

Wofür dieses Teil wohl nützlich ist? Dient es als Bootsmannsstuhl oder gar als Rettungsleine??? Thomas war damit sichtlich überfordert. Als Bootsmannsstuhl ist dieses Gerät wohl nicht geeignet.

Gibt es ein Patentrezept für Rostentfernung? Diese Frage stellt sich wahrscheinlich jeder Stahlboot-Besitzer. Wenn man sich für ein Stahlboot entscheidet, muss man sich mit der Rostentfernung auseinandersetzen. Jede Beschädigung des Lacks führt zu Rost und muss sofort entfernt werden, um größere Schäden zu vermeiden. Für uns ist das eine große Herausforderung. Monatelang haben wir uns mit diesem Thema in diversen Internet-Foren beschäftigt. Das Problem ist aber, dass man dort so viele unterschiedliche Ratschläge erhält, dass man am Schluss gar nicht mehr weiss, was richtig ist. Auch bekommt man von den lieben Stegnachbarn alle möglichen Tipps. Der eine meint „unbedingt Rostversiegelung vor dem Grundieren verwenden“; der andere, „ach, alles Quatsch, nichts geht über Primer, Primer, Primer, Primer, Primer… Hm, welchen Primer soll ich hernehmen? 1-Komponenten oder 2-Komponenten-Primer? Der Laie fühlt sich hier etwas überfordert. Also dann am besten von allem mal etwas ausprobieren. Das Ergebnis wird’s schon zeigen. Learning by doing heisst hier die Devise.

Unser Ruder hat den Winter leider nicht so gut überstanden… Es fühlt sich offensichtlich im Wasser wohler als draussen. Die Roststellen werden großflächig abgeschliffen, angeraut und Primer aufgetragen (4-5 Schichten). Die Einhaltung der Zeitintervalle zwischen dem Auftragen der Primerschichten ist am nervigsten. Je nach Temperatur müssen mehrere Stunden gewartet werden. Zum Glück hatten wir tolles Wetter, so dass die Schichten gut trocknen konnten und die Zeitintervalle nicht zu groß waren.

War erst einmal alles fertig, die diversen Roststellen bearbeitet, wurden mehrere Schichten Antifouling aufgetragen.

Was für ein Aufwand! Aber umso stolzer waren wir über unser “neues Boot”. Die Anstrengungen haben sich wirklich gelohnt!

Was ist das denn für ein ekliges Zeug in der Winsch??? Das Säubern der Winschen gehört bestimmt nicht zu den angenehmen Sachen des Bordlebens, besonders nicht, wenn sich darin schon ein harzartiger Brei entwickelt hat, den man kaum noch runterbekommt. Die Winschen scheinen total vernachlässigt worden zu sein. Einmal im Jahr sollten sie schon gereinigt werden. Wenn nicht, ist der Zeitaufwand umso größer. Anfangs haben wir den Tipp eines Stegnachbarn befolgt und Bremsenreiniger hergenommen. Das hat leider überhaupt nichts geholfen. Dann haben wir´s mit Petroleum versucht und siehe da, das hat prima geklappt. Der Brei ging runter wie nix. Aber was für eine knifflige Arbeit mit den Lagern und Federn!!! Ja keine Feder verlieren.

Die Mühe hat sich offensichtlich gelohnt. Die Winschen lassen sich wieder ganz geschmeidig drehen. Thomas ist sichtlich zufrieden mit seiner Arbeit.

Unsere Windsteueranlage ächzte aus allen Löchern und schrie nach Reinigung. Das Reinigen des Rollenlagers über dem Dinghy ist eine knifflige Angelegenheit und sollte nicht unbedingt nachgeahmt werden. Die Rollen wurden aus dem Lager genommen, eingefettet und einzeln wieder ins Lager eingefügt. Gott sei Dank haben wir keine Rolle verloren, das wäre eine Katastrophe gewesen! Noch einmal Glück gehabt. Aber das nächste Mal machen wir es nicht mehr auf diese Art und Weise. Das Risiko, etwas zu verlieren, ist doch zu groß.

Aber auch hier hat sich die Mühe gelohnt, und die Windsteueranlage geht wieder einwandfrei. Beim Kauf des Schiffes hatten wir sie nicht ausprobiert… sie scheint wohl auch längere Zeit nicht mehr benutzt worden zu sein und ist etwas “eingerostet”.

Was macht unser Dinghy und Aussenborder? Funktioniert alles noch? Das Dinghy sah anfangs ziemlich runtergekommen aus (der Spiegel war total verrottet) und so wurde der Spiegel erneuert und das Dingy erhielt ein neues Gesicht. Nachdem wir unser Schiff noch mit einem blauen Streifen versehen wollen, war das Dinghy sozusagen der Probelauf dafür. Die Befestigungsklemmen am Aussenborder sind etwas verrottet, aber ansonsten funktioniert er noch einwandfrei.

Das Tolle an unserem Dinghy ist, dass es auch besegelt werden kann. Baum, Mast, Segel, Beschläge, alles war noch vorhanden… Und - wie man sieht - macht es ziemlich Spaß. Man fühlt sich wie ein kleines Kind, das Segeln lernt.

Das Bunkern für die erste größere Etappe war angesagt – vielen Dank Anna für Deine Hilfe!!! Ohne Chauffeuer und gute Einkaufsberatung hätten wir das wohl nicht so schnell und toll hingekriegt. Öl, Essig, Saft, viele verschiedene Konservendosen, Kosmetikartikel, etc. wurden in Kisten aufs Boot geschleppt. Wir dachten schon “Oh Gott, wohin bloss mit dem ganzen Zeug? Erst einmal musste Platz für die Einkäufe hergezaubert werden… aber gar kein Problem auf unserer Lorbas. Nach Verstauen der ganzen Leckereien hatten wir noch immer genug Platz. Gut zu wissen…

One Response to “ Schiff klar für die Reise ”

  1. hi,
    zum 1. Bild: Is kein Bootsmannsstuhl sondern lifebelt zum Sichern, wenn du in den Mast klettern willst! Und dann bitte anders herum: Die gelben Gurte gehören über die Schultern!
    Viel Spaß noch mit unserm Ex-Boot,
    Grüße aus Bremen,
    Michael & Kathrin
    Bem. Lorbas: Danke für den Tip. Sowas hatten wir uns gedacht und schon ungefähr 27 verschiedene Stelleungen und Verschnürungen ausprobiert. Keine war vertrauenerweckend und das Verzurren und Anpassen war eine ziemlich Plage. Genauso wie die normalen Rettungswesten, die man ja oft anzieht wenn es scheppert und alles drunter und drüber geht, wenn es naß und glitschig ist, nachts schlecht beleuchtet und dann noch mit dickem Fleece und Regenzeug. Ich brauche dann immer 7 Hände und Flutlicht, nur um sie richtig herum anzuziehen. Typischer Fall von Maschinenbausonntagskonstruktion am Menschen. Die Lifebeltkarabiner verklemmen sich auch gerne am Streckgurt, so daß man nachts an Deck immer auf die Nase fällt. Wir benutzen das Ding nicht mehr, sondern für den Mast tut es ein Rettungspalstek direkt ins Fall.
    Viele Grüße aus dem winterlichwarmen Rio d. J.

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