Good-bye England
Endlich sind wir raus aus dem nassen, kalten, überfüllten und teuren England (zumindest, was die Hafengebühren angeht). Wie immer in diesen Tagen wird jeden Abend akribisch die Wetterlage studiert und dann überlegt, ob´s losgehn kann oder ob wir noch etwas auf besseres Wetter warten müssen. Das war auch in Yarmouth der Fall. Gute 5 Tage saßen wir dort fest, bis sich das Wetter etwas gebessert hat. Das war eigentlich gar nicht so schlimm, denn Yarmouth hat einiges zu bieten, nicht der Ort, aber die Umgebung. Yarmouth liegt auf der Isle of Wight, einer idyllischen, kleinen Insel mit atemberaubender Vegetation. Manchmal kommt man
sich vor wie im Urwald. Auch ist der Needles Channel nicht weit weg von unserem Hafen. Unser erster Versuch, diesen zu besuchen, scheiterte kläglich. Bei orkanartigen Windstärken 10-11 wollten wir die Küste den Coastal Path entlang, gaben jedoch nach ein paar Metern wieder auf, da es uns (oder besser mir) doch etwas zu brisant war. Auch die C
oastguards liessen die Besucher nicht an die Küste, aus Sorge, dass sie den Felsen hinuntergeblasen werden. Also sind wir wieder zurück in den sicheren Hafen. Ein paar Tage später hat es strahlenden Sonnenschein, also ideal für unsere Tour. Wir gehen zu Fuß entlang eines idyllischen Flüsschens, an einem uralten Friedhof mit Gräben aus dem 17. Jahrhundert vorbei Richtung Freshwater Bay. Kajakfahrer in Neoprenanzügen erforschen dort die Felshöhlen.
Ein kleines Hotel mit Blick auf den Englischen Kanal liegt einsam in der Bucht. Wir folgen dem Coastal Path und gehen über weiche Wiesen an atemberaubenden Klippen entlang. Wäre das Meer nicht, würde man meinen, man ist auf einer Alm. Samtweiches Gras zwischen Erikakraut. Erinnerungen an unsere Alpenüberquerung kommen hoch. In der Ferne sieht man vereinzelt Segelschiffe, die nach Frankreich übersetzen.

Wir nähern uns langsam dem Needles Channel, bei den Seglern gefürchtet aufgrund der Enge und der dort herrschenden Strömungen. Was für ein Bild! Sonnenschein, ruhige, glitzernde See, strahlende Segel und vor
uns der Needles Channel mit den zackenartigen Felsen und dem Leuchtturm davor! Am liebsten wäre man jetzt auch auf See, wäre da nicht das Tief, das sich der Englischen Küste mit Böen bis zu 11 Bft nähert…
Im Hafen von Yarmouth liegen wir an einem non walk-ashore Pontoon. Kein Wasser, keine Elektrizität und das für 5 Tage. Zwischendurch müssen wir den Motor anschmeissen, um etwas Str
om zu erhalten (nachdem unser Solarpanel bei so wenig Sonnenstunden nicht genug in die Batterie packt). Der Hafen ist übervoll, so etwas haben wir noch nicht erlebt. Wir liegen ganz innen, haben uns schon gefreut, so einen schönen Platz ergattert zu haben, bis gen Abend immer mehr Schiffe an unserer Seite anlegen (Päckchen liegen heisst das in der Segels
prache). Am Schluss liegen noch 4 Schiffe neben uns, bei stürmischem Wetter kein Spaß, da das innen liegende Schiff das meiste abbekommt… Eines Morgens höre ich einen Bumperer, gehe hinaus und da legt ein älterer Engländer mit seinem heruntergekommenen Holzschiff mit Karamber an unserem Schiff an. Es ist nichts passiert, aber im ersten Augenblick ist man schon etwas erschrocken. Am nächsten Tag, auch am Morgen, legt wieder ein Engländer hörbar an unserer Seite an. Gott sei Dank ist unser Schiff aus Stahl, so dass es einiges aushält… und das Anlegen nur ein paar Kratzer hinterlässt, aber auch ärgerlich. Am nächsten Tag haben wir uns dann erst einmal an eine Mooring gelegt. Es war noch relativ stürmisch und die Strömung je nach Tide extrem stark. Einmal dachten wir wirklich, gleich von einer Fähre übergesemmlt zu werden. Das
Mooringfeld lag direkt neben der Einfahrt zum Hafen, die auch von den Fähren nach Lymington benutzt wird. Auf einmal schreit Thomas ganz aufgeregt, dass wir von der ankommenden Fähre gleich überfahren werden oder sie mitten ins Mooringfeld kracht. Ich stürze den Niedergang rauf, um mir das anzusehen. Die Fähre hält tatsächlich direkt auf das Mooringfeld und unser Schiff zu… Wir überlegen kurz, ob wir den Motor anschmeissen sollen für alle Fälle. Kurz vor dem Feld dreht die Fähre mit Karamba ab und ändert Kurs auf die Hafeneinfahrt. Uns fällt ein Riesenstein vom Herzen!!! Wir beobachten die nächsten Fähren und sehen, wie diese von der Strömung abgetrieben werden. Für uns eine Warnung, die Abfahrtszeit gut einzuplanen, um die Strömung mit uns und nicht gegen uns zu haben. Auf der Überfahrt nach Frankreich haben wir die Strömung nicht immer mit uns, aber das ist ganz normal bei wechselndem Hoch-und Niedrigwasser über den Tag. Wenn man also länger unterwegs ist, hat man immer eine gute und eine schlechte Strömung. Hat man die Strömung mit sich, kann man gut Strecke machen. Im ungekehrten Fall kann es passieren, dass man wieder Strecke verliert… Zwei Schritte vorwärts, einen zurück. Die Überfahrt nach Frankreich war dann aber relativ unproblematisch. Zuerst wenig Wind, dann etwas mehr und wieder etwas weniger. Wir hatten schon überlegt, nach Alderney (Kanalinsel) zu fahren, haben uns
aber dann doch fürs Weiterfahren entschieden, da der Wind recht günstig war und wir vermeiden wollten, dass wir wieder für ein paar Tage im Hafen sitzenbleiben, um auf besseres Wetter zu warten. Gelandet sind wir dann letztendlich im mittelalterlichen Morlaix in der Nordbretagne, dessen Ansteuerung etwas knifflig war, durch Felsen hindurch und über Flächen, die normalerweise trockenfallen und nur bei Hochwasser befahren werden können. In Frankreich sind die Tiden noch extremer als in England. Bis zu 12 m Unterschied in der Wasserhöhe sind hier Gang und Gäbe. Neben der Strömung muss man also auch noch die garantierte Wassertiefe berücksichtigen. Viele Häfen, besonders im Norden Frankreichs, kann man nur bei Hochwasser anlaufen. So auch der Fall bei Morlaix. Morlaix liegt am Ende eines
Kanals, dessen letztes Stück trockenfällt. Teilweise hatten wir nur noch eine Tiefe von 2 Metern unter unserem Kiel, der einen Tiefgang von 1,60 m hat. Wirklich spannend!!!
Mit Blick auf die Logge tastet man sich langsam vorwärts. Was war das für ein Gefühl, auf französischem Boden zu sein!!! Wir freuen uns über unser erstes Baguette, Camembert, guten französischen Wein… Leider wird es mit der Kommunikation etwas schwieriger, da wir wenig Französisch sprechen und die meisten Hafenmeister kein Englisch. Aber mit Händen und Füßen kommt man schon irgendwie weiter…











Leave a Reply