Verloren auf der Île D´Ouessant
Nach ein paar erholsamen Tagen in Morlaix geht´s weiter zur Île D´Ouessant, vorbei an der Ile de Batz. Das Wetter ist anfangs etwas diesig, bei der Durchfahrt durch die Felsformationen muss man genau aufpassen… Zum ersten Mal überhaupt auf unserer Reise sehen wir ein Rudel Delphine, das aber bald wieder verschwindet. Wir fahren die Nacht durch, mit vielen vergeblichen Versuchen, bei dem geringsten Windhauch die Segel zu benutzen. Nach einem halben Dutzend Mal geben wir entnervt auf,
da ja immer beide auf sein müssen, weil nie jemand nachts allein auf dem Vordeck herumturnt. Wir wären ja bei wenig Wind mit Schleichfahrt zufrieden, aber auch bei spiegelglattem Wasser läßt der Atlantikschwell alles scheppern, was nicht festgezurrt ist. Ohne Wind und Segelunterstützung rollt das Boot unerträglich. Und mit gesetzten Segeln schlagen diese so erbärmlich, daß man sie ganz schnell wieder runterzerrt. Also die letzen paar Stunden durchmotort. Immer noch ohne Autopilot, den wir seit Thyboroen mitschleppen aber noch nicht installiert haben und ohne Wind funktioniert die Windsteuerung ja auch nicht. Auf dem Ammersee findet es manch einer ganz nett, als Kapitän den Kurs zu bestimmen. Auf See ist steuern aber reine Schinderei und Sklavenarbeit, die man gern der Windfahne oder dem elektrischen Autopiloten überläßt. Sagenhaft, welche Schinderei frühere Seefahrer da geleistet haben.
Ist es bei Tag und guter Sicht noch ganz einfach, den Kurs ganz simpel an irgendeinem Horizontpunkt festzumachen, und sei es querab, so ist es bei schlechter Sicht oder nachts ohne Landmarken furchtbar anstrengend, nur nach Kompaß zu fahren. Immerhin ist die französische Küste hier befeuert wie eine Disko. Jede Tonne ist mit ihrer eigenen Kennung befeuert und wir können alles gut auseinanderhalten.
Obwohl hier gar kein Hafen und keine Ansteuerung ist, jede Menge Leuchttürme und manchmal mehrere horizontale Blitze, die wir noch nie gesehen haben, aber so auch in keinem Führerschein gelehrt werden. Einmal verwechseln wir ein paar Blinker mit dem vor d’Ouessant liegenden Traffic Seperation Scheme, dessen Lichter wir der Tonnenbeschreibung entsprechend noch gar nicht sehen dürften. Wohl weil uns die Atlantikdünung manchmal recht hoch hebt.
Thomas findet eine Methode, den Pinnenausleger so genau an die Cockpitwand zu stellen, daß nur alle 2 Minuten der Kurs korrigiert werden muß. Weil die Schraube nie ganz symmetrisch das Ruder anströmt, hat die Pinne einen leichten Linksdruck, der nur auf 2 mm festgesetzt zu werden braucht. Ein Hoch auf den Langkieler, der bei wenig Welle so kursstabil ist. So kann man sogar nachts lesen. Entsprechend hat Thomas während einer weiteren Nachtfahrt Zeit, die Befestigung für den Autopiloten zu konstruieren, den wir schon seit Dänemark unmontiert spazierenfahren. Jetzt brauchen wir nur noch eine Schreinerei. Wir erreichen im Morgengrauen die Baie du Stiff auf der Île dOuessant, eine kleine Bucht, umgeben von einer sehr hohen Steilküste, auf der Ostseite der Insel. Thomas fix und fertig und denkt nur noch ans Schlafen, natürlich erst nachdem der Mooringplatz abgefahren und das Schiff ordentlich vertäut worden ist. Ganz wohl ist uns nicht bei dem Gedanken, hier an einer Mooring festzumachen, die nur wenige Meter von der felsigen Steilküste entfernt liegt. Gott sei Dank ist es relativ windstill, so dass nur wenig Schwell in die Bucht gelangt und die Wettervorhersage läßt für heute auch keinen auflandigen Wind an dieser Inselseite erwarten.
Nach einem kurzen Schläfchen lassen wir das Dinghy zu Wasser und machen uns auf, die Insel zu erkunden. An Land muss das Dinghy erst einmal ein paar Meter hochgeschleppt werden, um bei Rückkehr durch das eintretende Hochwasser keine Überraschung zu erleben. Wir leihen uns Fahrräder aus und kurven um die Insel. In Lampaul, dem einzigen Dorf auf der Insel, gibt es ein paar nette kleine Restaurants und sogar einen “SPAR”-Supermarkt. Die Bucht vor Lampaul, in der man auch ankern kann, sieht etwas freundlicher und geschützter aus als die Baie du Stiff und wir wollen gleich noch am Abend unser Schiff dorthin verlegen. Dort sind auch mehr Yachten, die offensichtlich für Langfahrt ausgerüstet sind. Weiter geht die Tour über kleine Sträßchen, vorbei an Häusern mit Inselcharakter an die Nordwestküste. Wir sind total begeistert von der Insel und wissen schon, dass wir hier ein paar Tage bleiben wollen. An der Nordwestküste erwarten uns atemberaubende Felsen, die durch die heftigen Atlantikstürme einzigartig geformt wurden. Man kommt sich vor wie in einem Steinlabyrinth. Herrliche Wanderwege führen an der Küste entlang, alles ohne Hotelburgen. Es gibt auch herrliche kleine Badebuchten, die zum Baden einladen. Leider waren wir vom Wetter diesmal wieder nicht verwöhnt, so dass Baden nicht auf dem Programm stand. Auch wenn der Tag mit Sonnenschein beginnt, kann man nicht sicher sein, dass das Wetter so bleibt. Urplötzlich breitet sich eine Nebeldecke über die ganze Insel aus und man sieht kaum noch seine Hand vor dem Gesicht. Das ganze in wenigen Minuten. Segler, die noch in die Bucht kommen, werden durch ein Hupkonzert gelotst. Auch wir nutzten diese Gelegenheit, um einmal unser Signalhorn auszuprobieren. Im Winter kann man sich diese Insel eingesperrt in einem kuschelig warmen kleinen Häuschen mit Kaminfeuer vorstellen, wo draussen der Wind pfeifft …
















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