Portugal – auf zu unbekannten Ufern

Warmer Empfang in Povoa de Varzim.

Warmer Empfang in Povoa de Varzim.

Thomas und ich waren beide noch nicht in Portugal und waren umso gespannter darauf. Besonders, da unsere englischen Bekannten, die wir in La Coruña kennengelernt haben, so davon schwärmten. Das erste Ziel war Póvoa de Verzim. Von Bayona aus nur 60 sm, aber, nachdem die Tage immer kürzer werden, stand mal wieder eine Nachtfahrt an. Obwohl laut grib-files gemütliche 3 Bft angesagt waren, frischte der Wind in der Nacht deutlich auf. Um uns herum kleine Wellen mit deutlichen Schaumkronen, Indiz für 6 Bft. So weit, so gut. Wir holen das Großsegel rein und reffen auch das Vorsegel bis auf kleinstes Tuch und erreichen auch damit noch 4 Knoten. Irgendwie ein unheimliches Gefühl. Um uns herum pechschwarze Nacht, der Wind pfeift durchs Rigg, das Schiff stampft durch die See. Und vor mir kommt das Licht, das ich schon seit langem sehe, immer näher. Mit Volldampf jagt es auf mich zu. Ich kann weder ein rotes noch ein grünes Licht erkennen, weiss nicht, mit wem ich es zu tun habe. Wecke Thomas auf, der nach kurzem Schlaf ins Cockpit springt, nachdem das Licht schnurstracks auf mich zukommt und den Kurs nicht ändert. Auch Thomas wird etwas nervös. Nur ein paar Meter entfernt erkennt man ein Positionslicht. Nur der Junge ändert seinen Kurs nicht, fährt eisern auf seiner Spur. Thomas meint zwar immer, wir haben Vorfahrt als Segler, aber was hilft das, wenn sich der andere nicht an die Regeln hält. Lieber ändere ich den Kurs, bevor ich mich mit einem Fischer anlege. Wie meinte ein Bekannter so schön: „Die Fischer kommen so nah an einen heran, bis man das Weisse im Auge erkennen kann. Aus lauter Neugierde, versteht sich!“ Na danke, diesen Adrenalinkick brauche ich nicht unbedingt. Ich mach die Salingbeleuchtung an, das Schiff nun hell wie ein Christbaum. Na, das hat wohl etwas geholfen. Der Junge dreht etwas ab und fährt nur ein paar Meter von uns entfernt vorbei. Nach tiefem Durchschnaufen geht’s weiter durch die Nacht. Thomas legt sich wieder schlafen und ich bin wieder allein mit meinen Gedanken im Cockpit.

Die Nacht hatte aber auch wieder eine schöne Überraschung parat. Thomas meinte mal wieder, Delphine zu sehen. Na ja, dachte ich mir, klar, man kann sie deutlich mit ihren schwarzen Körpern in der pechschwarzen Nacht erkennen. Aber nein, um uns herum wilde, helle Leuchtspuren durchs Wasser. Am Schiff vorbei, unterm Rumpf hindurch, und wieder an unserer Seite. Das müssen Delphine sein. Und wie viel Spaß sie hatten! Die Kerle sind wirklich klasse. Flipper und seine Freunde lassen grüßen. Kaum kamen wir in Landnähe, waren die verspielten Jungs auch wieder weg. Schade, aber wir sehen sie ja wieder. Ziemlich verläßlich lassen sie durch ihr kurzes Schnaufen immer wierder hören “Hey Skipper, bleib wach, Dir fallen ja schon wieder Augen zu!”. Man kann diesemTreiben wirklich stundenlang begeistert zuschauen. Allerdings wollen wir uns dan nicht so wichtig nehmen. Die Art der Haken, die sie auch bei hoher Geschwindigkeit schlagen, zeigt uns daß sie wohl nur hinter anderen Fischen her sind, die wir mit unserem Rumpf aufscheuchen. Ganz offensichtlich jagen sie aber auch in Teams und da kann man anhand der 50 Meter langen Leuchtspuren lange rätseln, wie das so läuft. Ich kann nur sagen “Mein lieber Tintenfisch, da hast Du keine Chance!”

Ging nur mit hohem ISO auf wackligem Boot.

Ging nur mit hohem ISO auf wackligem Boot.

Von weitem konnte man schon im Morgengrauen klein Manhattan erkennen, wie die hohen Hotelburgen so nett im Reeds Almanach, der Bibel für Segler, beschrieben werden. Es ist immer ein schönes Gefühl, nach einer Nachtfahrt im sicheren Hafen anzukommen. Erst das Schiff sichern, dann eine heisse Dusche, falls eine vorhanden ist und auch heisses Wasser. Danach schön frühstücken und dann erst das Schiff aufräumen. Und danach eine Stadttour. Noch etwas schlaftrunken laufen wir durch die Stadt. Verwöhnt von La Coruna mit seinem schönen Stadtzentrum und der schönen Strandpromenade, hat Póvoa einen harten Stand und kommt natürlich nicht an La Coruna heran. Aber natürlich sollte man nicht eine Kleinstadt mit einer 250.000 Einwohner-Stadt vergleichen.

Morning skyline of Povoa de Varzim.

Morning skyline of Povoa de Varzim.

Póvoa hat trotzdem ein nettes Stadtzentrum mit vielen kleinen Läden, man merkt aber schon, dass es den Leuten hier nicht so gut geht, sie in „ärmlicheren“oder einfacheren Verhältnissen leben. Wir gehen in die nächste Bäckerei und verwöhnen uns mit kleinen Krapfen mit Vanillepudding, ein landestypisches Gebäck. Die Leute sind total nett und hilfsbereit. Auf der Suche nach einem Supermarkt in der Stadt wird es schwierig. Alles, was wir sehen, ist ein kleiner Markt, ähnlich unseren Billigpreismärkten. Kein Vergleich zu dem vielfältigen Angebot in La Coruña! Obst und Gemüse kaufen wir bei einer Bauersfrau, die ihre Ware in einem garagenähnlichen Gebäude anbietet.

Leerstehende Eingangshalle der Marina in Povoa.

Der Hafen ist günstig und die Duschen haben heißes Wasser. Erstaunlich ist das Gebäude mit den sanitären Anlagen. An einer riesigen, ungenutzten Rezeption vorbei geht’s weiter zu den Toiletten und Duschen. Alles hallt in diesem riesigen Gebäude. Ob es sich hier um eine der vielen Fehlinvestitionen handelt? An Land liegen einige Fahrtenyachten trocken, die die günstigen Bedingungen zum Überwintern, Reparaturarbeiten, etc. nutzen. Die Strandpromenade führt kilometerweit gen Süden, ideal zum Joggen. In regelmässigen Abständen steht ein graues Betonhaus am Strand, bevölkert mit älteren Herren, die Karten spielen. Wo die Frauen wohl sind??? Wir machen einen Abstecher nach Vila do Conde, wo wir mit einem Markt überrascht werden, der wohl ausnahmsweise am Freitag stattfindet, da Allerheiligen diesmal auf einen Samstag fällt. Hier bekommt man alles von Schuhen über Slips bis hin zu Lebensmitteln und Fakes von 10.000-€-Uhren. Ich liebe Märkte, hier muss man die Geldbörse in zweierlei Hinsicht gut festhalten :-)

Der kurze anschließende Zwischenstop in Sines war nicht wähnenswert, außer, daß sie eine phantastisch moderne Marina-Anlage haben mit allem was das Herz begehrt oder auch mehr, wie z. B. ein elektronischer Füllstandstandssensor am Duftmtmittelspender der Toilettenurinale. Prima Verwendung von EU-Fördermitteln, oder? Aber Waschmaschinen, Duschen, und riesiger Empfangsbereich alles hochmodern und die Preise moderat. Hier kommen wir zum ersten Mal mit der Bürokratie südlicher Länder in Berührung. Der Offizielle (mit Badge des Innenministeriums) geht akribisch durch alle Papiere und ist sehr bemüht um Haltung.

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