Zwangspause in La Coruña
Wir sind total begeistert von La Coruña. Anfangs sind wir etwas skeptisch aufgrund der imposanten Bauten und auch vielen Hochhäuser, die man schon von weitem sieht.
La Coruña ist eine mittelgroße Stadt mit ca. 250.000 Einwohner. Die Altstadt liegt sehr ruhig hoch über der Stadt mit sehr schönem Ausblick auf die umliegenden Buchten.
Kleine Gässchen und malerische Plätze mit Brunnen laden zum Verweilen ein. Charakteristisch für die Stadt und die Umgebung sind die verglasten Fassaden. Beim Bau einer neuen Tiefgarage sind die Bauherren auf alte Mauern der Hafenbefestigung gestossen, und der Bau wurde erst einmal gestoppt. Wer sich die Zeit lieber mit Shopping vertreibt, kommt in der Fußgängerzone nicht zu kurz. Ob Schuhe, Klamot
ten, Bücher, Schmuck, das Shoppingherz erfreut sich einer großen Auswahl. Sollte man nach all dem Shoppen etwas Hunger verspüren, geht man einfach nebenan in die Fressmeile mit ihren vielen Bars und Kneipen. Hauptsächlich Tapas und spanische Gerichte stehen auf dem Speiseplan. Ausser der vielerorts breitgemachten Burgerketten gibt es kaum ausländische
Küche, zumindest ist uns diese nicht so aufgefallen. Im Büroviertel wird man mit der Businesswelt konfrontiert, mit aufgestylten Spaniern in Anzug und Krawatte und topmodisch gekleideten Spanierinnen (die auch sonst im Alltag sehr modisch gekleidet sind). Hier fällt man als Segler, der normalerweise in sportlicherem Gewand und Fliespulli herumläuft, sehr schnell auf.
La Coruña verfügt über die längste Strandpromenade Europas (so steht´s zumindest in den Broschüren). 12 km kann man entlang der Buchten
laufen. Die Promenade ist zu jeder Tageszeit bevölkert von Joggern, Walkern und Spaziergängern. Auch ich hatte meine Hausstrecke zum Joggen bald gefunden. Am Wochenende lädt der
Stadtstrand zum Sonnenbaden und einem erfrischenden Bad im kalten Atlantikwasser ein. Die Stadt bietet eine gute Mischung aus Alltagsleben und Freizeit. Auch Kulturfanatiker kommen nicht zu kurz: Hier gibt es viele Museen, Oper, Theater, Kinos, etc., etc. Thomas und ich waren in einem Programmkino, in dem hauptsächlich ausländische Filme gezeigt werden (mit entsprechendem Untertitel). Der Eintritt kostete sagenhafte € 1,20 für einen Film, der fa
st 2 Stunden lief!
Wir genossen sehr das spanische Flair. Endlich war es auch wärmer und man konnte mit kurzen Klamotten herumlaufen. Am Wochenende gab´s Open Air in der Altstadt mit spanischer und brasilianischer Musik. Die Straßen waren bis spät in die Nacht bevölkert. Jeder genoss die Abendstimmung.
Also, wie man sieht, viele Gründe, eine Zeitlang in La Coruña zu bleiben. Sogar Kreuzfahrtschifffe halten in dieser Stadt kurz an und die Einkaufsstrassen sind vorübergehend bevölkert von Amis, Engländern, Deutschen, u.a. Anfangs haben Thomas und ich scherzeshalber mal überlegt, ob wir nicht einen Monat hier bleiben wollen und auch schon nach dem Preis für den Liegeplatz gefrag
t, obwohl wir wussten, dass es bald weitergehen sollte. Und dann ist´s passiert: Thomas hat sich die Patellasehe angerissen, zumindest war dies die Erstdiagnose. Er ist nicht hingefallen oder hat sich das Knie verdreht, nein, er hat beim Raufsteigen aufs Bett (das ja in der Vorderkajüte im Schiff höher ist als normal) das Knie derart gebeugt, da
ss die Sehen einfach abgerissen ist. Unvorstellbar, aber das gibt´s. Anfangs war der Schock groß, vor allem, als der Arzt meinte, dass Thomas die Schiene mindestens 4 Wochen tragen müsse und wir unsere Pläne schwinden sahen. Aber dann waren wir ganz froh um diese Zwangspause. Endlich konnten wir uns etwas ausruhen, einfach mal nichts machen oder auch mal ein Buch lesen… Thomas nutzte die Gelegenheit, um einen Spanischkurs zu besuchen. Mit Anfangs 2, später 1 Mitschülerin erhielt er fast Privatunterricht. Und wir trafen nette Leute in dieser Stadt. Einer von diesen ist Francisco, der mich in der Post aufgegabelt hat. Er hat gesehen, dass ich einen Brief nach Deutschland geschrieben hab und, nachdem er deutsch lernt, sind wir ins Quatschen gekommen. Er hat uns gleich auf eine Tasse Kaffee eingeladen und uns bei einem weiteren Treffen nette spanische Kneipen gezeigt, die nicht so von Touristen aufgesucht werden. Auch die Angestellten von unserem Hafen (Marina Coruña) waren total nett. Nachdem wir doch zu den “Dauergästen” galten, sind wir öfter ins Gespräch gekommen und haben auch mal das ein oder andere “persönlichere” Wort
ausgetauscht. Die Jungs waren immer total hilfsbereit. Und da waren natürlich auch noch andere Segler wie Frank, Colin, Stig, die auch längere Zeit in La Coruña blieben und mit welchen wir nette Abende verbrachten.
Nach 3 Wochen gingen wir zur Nachuntersuchung der Knieverletzung von Thomas zu einem anderen Spezialisten, um uns besser Gedanken über unsere weitere Routenplanung machen zu können. Nachdem Thomas die Schiene abgenommen hat, ist der Arzt, der sehr gut deutsch sprach, sichtlich über den starken Muskelschwund erschrocken. A
uf Empfehlung des ersten Arztes hat Thomas das Knie und auch das Bein kaum bewegt. Erstaunlich, wie schnell der Muskelschwund eintritt… Die zweite Diagnose ist erfreulicherweise positiv ausgefallen. Der Arzt konnte keinen pa
rtiellen Abriss mehr feststellen und riet Thomas, sofort mit der Physiotherapie anzufangen, um die Muskulatur so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Auch meinte er, dass wir in ca. 1 Woche weiterfahren könnten (Yippieeeeee). Da lachte natürlich unser Seglerherz, obwohl es manchmal schwerfällt, weiterzufahren, wenn man schon so lange Zeit an einem Ort geblieben ist, der einem gefällt.
La Coruña war auch de
r erste Hafen, in dem man viele Langfahrtschiffe traf. Für viele Langfahrtsegler ist La Coruña jedoch nur ein Transithafen. Nach einer kurzen Verschnaufpause nach der Biskayaüberquerung geht´s weiter Richtung Süden. Das ein oder andere Schiff wer
den wir bestimmt später wieder sehen. Auch unsere Hippi-Nachbarn wollen mit ihrem Schiffchen nach Südamerika. Ob das mal gutgeht?
Und unsere lieben Begleiter, die Delphine, besuchten uns sogar im Hafen, ein seltenes Erlebnis!














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