Südportugal – Hotelbunker, wohin das Auge reicht

Weniger idyllische Seite der schönen Ankerbucht vor Ferragudo.

Weniger idyllische Seite der schönen Ankerbucht vor Ferragudo.

Wir erreichen Portimao mal wieder im Morgengrauen. Von weitem frischer Pinienduft. Unter Land werden wir von einer Minibrise bei gesetztem Vorsegel gen Osten geschoben. Das Groß müssen wir oft unten lassen, weil es bei wenig Wind und Schwell doch zu sehr schlägt. Wir können uns noch Zeit lassen und sind früh dran. Bei Nacht in einen Hafen oder zu einem Ankerplatz zu fahren, vermeiden wir wenn möglich. Wir hätten heute Nacht die Möglichkeit gehabt, uns in rabenschwarzer Nacht mit GPS, Peilungen der umgebenden Leuchtfeuer und entlang der Tiefenlinie zu einem Ankerplatz hinter Cabo Sao Vicente vorzutasten, der dann angeblich am Morgen eine spektakulären Szenerie von Bord aus zeigt.

Oft ein schöner Trost nach langer Nacht unterwegs: wunderschöne Morgenstimmungen.

Oft ein schöner Trost nach langer Nacht unterwegs: wunderschöne Morgenstimmungen.

Begrüßungskommitee vor Portimaio.

Begrüßungskommitee vor Portimaio.

Trotz spiegelglattem Wasser sind wir dann aber unter Motor weitergefahren und Thomas konnte sich bei ruhiger See noch einmal umdrehen und weiterträumen. Ins Dunkle hinein zu fahren ist ja kein Problem, aber wenn man weiß, daß in der Finsternis voraus spitze Felsen nur darauf warten, daß man aufbrummt, ist es doch nicht nötig, wenn man es vermeiden kann. Eine andere Art von Beklemmung haben dann als wir zwischen der Mole und dem Bug einergroßen Fregatte durch müssen, weil wir so kurz vor der Ankerbucht keine Lust mehr haben, um die dicke Fregatte herum zu fahren. Ganz schön imposant, so ein Ding.

Lorbas und die Pico von Ingrid und Fritz (wieder auf Weltumsegelung)

Lorbas und die Pico von Ingrid und Fritz (wieder auf Weltumsegelung)

Portimao, unsere letzte Station vor der Überquerung zu den Kanaren. Laut Hafenhandbuch hat der Ort einiges an Serviceleistungen zu bieten, die wir noch in Anspruch nehmen wollen. Unser Segel muss repariert werden. Die Laschen an den Segellatten sind zu dünn genäht, eine Latte haben wir verloren. Das Großsegel ist zwar nagelneu aus 2007, aber noch vom Vorbesitzer, und der hat, wie wir wissen, mit verschiedenen Segelmachern gefeilscht wie ein Besenbinder. Vielleicht hat dann der Hersteller dort gespart. Nur eine kleine Reparatur und bisher die einzige. Wenn man so hört, was andere Segler nach so einer Tour alles schon ersetzen und reparieren mußten, da haben wir mit dieser einzigen kleinen Sache bisher großes Glück. Aber wir schonen ja das Schiff und uns auch. Hier wollen wir uns auch noch einmal mit Farben eindecken, da dies an den letzten Orten gar nicht so einfach oder zu teuer war. Alles finden wir gehäuft im Gewerbehafen von Portimao. Segelmacher, Farbenlager, Elektriker, etc. Nicht weit davon entfernt ein großer Supermarkt, den wir noch öfter besuchen werden. Sogar ein LIDL, den wir geflissentlich boykottieren und stattdessen in einer französischen Kette einkaufen. Die ersten Tage ankern wir noch in der sehr schönen Bucht nahe Ferragudo. Hinter einer langen Mole sehr geschützt. Vor uns hohe rötliche Felsen, schöner Sandstrand, nette Strandbar. Ferragudo ein kleines, nettes Fischerdörfchen mit kleinen Restaurants und Bars. Jeden Tag fahren Fischer am Boot vorbei, das das Schiff zum Schaukeln bringt. Unser Dinghy ist an der hinteren Klampe festgemacht. Beim nächsten Schaukeln macht es plötzlich „Pfffft“. Wir sind Gott sei Dank im Cockpit, ich spring auf und schau nach dem Dinghy, das schräg im Wasser liegt. Das Dinghy ist beim Schaukeln unter die Windsteueranlage geraten, die ein Loch ins Dinghy gerissen hat. Auf einer Seite ist die Luft sofort rausgegangen. Thomas holt sofort den Motor rauf, um zu verhindern, dass dieser absäuft. Wir holen das Dinghy an Deck und flicken das Loch. Am nächsten Tag ist die Luft noch drin, also war die Operation erfolgreich. Am Nachmittag geht’s mit dem Dinghy zum Segelmacher, ca. 1 sm von unserem Boot entfernt. Ganz lustig mit dem riesigen Segelberg, weil er mit Latten nicht so klein zu falten ist. Eine knifflige Angelegenheit. Wir zwei im Dinghy, vor uns das schwere Segel. Werden wir trockenen Fusses ankommen? Wir fahren nah unter Land, um ggfs. gleich an Land springen zu können. Alles geht gut, wir kommen unversehrt an. An der Stelle, die uns als Anlandestelle genannt wurde, können wir nicht anlanden, da die Slipbahn wie eine Rutschbahn ist. Wir kommen keinen Meter weiter, rutschen eher noch tiefer ins Wasser. Okay, wir machen stattdessen an einem nahegelegenen Pontoon fest, den man nur über eine steile Leiter nach oben verlassen kann. Wir denken uns nichts dabei. Gehen zum Segelmacher, zum Farbenlager und danach noch zum Supermarkt. Etwas mulmig ist uns schon dabei, das Dinghy im Gewerbe hafen zurückzulassen, in dem komische Gestalten herumlaufen. Als wir vom Supermarkt zurückkommen, ist es schon dunkel. Ob unser Dinghy wohl noch da ist? Wir kommen an das Pontoon, unser Dinghy ist noch da, aber, tja, wie kommen wir zu unserem Dinghy herunter, das ca. 12 m unter uns liegt? Also nix mit Springen. Die Leiter, auf der wir vorher hochgekrakzelt sind, ist verschwunden. Jemand hat diese wohl aus gutem Grund weggenommen, um zu verhindern, dass jemand hinuntersteigt und etwas stiehlt. Der Gedanke war ja nicht schlecht, nur haben wir jetzt ein großes Problem und können unser eigenes Dinghy nicht stehlen. Wie sollen wir jetzt, abends, ohne Dinghy an unseren Ankerplatz kommen??? Ich gehe zu einem nahegelegenen Platz, auf dem viele Yachten trockenliegen. Vor verschlossenem Tor stehen ein paar Amis, die mit ihrem Kastenwagen gerne rausfahren würden, aber nicht können, da der Platzwächter schon weg ist. Ich frag sie nach einer Leiter und, obwohl sie aufgrund der Umstände nicht besonders gut drauf sind, watschelt einer von ihnen zum Boot zurück und holt eine Leiter, die hoffentlich lang genug ist. Die Leiter wird heruntergelassen, Thomas und ich bangen noch ein bisschen, und, sie passt, aber haarscharf. Wir verstauen unsere Sachen im Dinghy und fahren zum Ankerplatz zurück. Puh, da haben wir noch einmal Glück gehabt! Anfangs fanden wir die Situation noch amüsant, dachten, jemand will uns ärgern, wartet mit der Leiter hinter einer Mauer, bis uns der Ernst der Lage dann doch bewusst wurde. Ich sah uns schon am Strand übernachten.

Und, wen treffen wir in der wunderschönen Bucht von Portimao? Das Hippi-Boot aus La Coruna mit der überdimensioniert grossen Jamaica-Flagge. Na, Prost Mahlzeit!

Die nächsten Tage verbringen wir im Hafen von Portimao, da wir noch einige Sachen am Schiff basteln müssen und dafür Strom benötigen. Ein total künstlich angelegtes Hafengelände, sogar mit Swimmingpools, die um diese Jahreszeit jedoch kaum noch genutzt wurden, da es doch schon zu frisch ist.

Die schönere Seite der Ferragudo-Bucht.

Die schönere Seite der Ferragudo-Bucht.

Die Stadt selbst ist nicht erwähnenswert, uns hat sie überhaupt nicht gefallen, hat allerdings den Charme und die Probleme einer jungen Mittelstadt, die zu schnell gewachsen ist aber die Pauschaltouris nicht nötiig hat. Es geht das Gerücht das die Trabantenstadt mit den Hotelbunkern und das Marinagelände auf dem Boden entsanden sind, den einer von drei Bauernsöhnen geerbt hat. Weil er mit dem Ödland und ein bißchen Strand sein Ziegen nicht ernähren konnte, dachte er, er habe den kürzeren gezogen und hat nach und nach die Filetstücke an Grundstücksspekulanten und Bauwütige verschachert. Es war wohl mal ein schöner Fleck hier, aber man kann jetzt das Ergebnis sehen.

Herrlich ruhiger Ankerplatz trotz der Bettenburgen auf der anderen Seite.

Ruhiger Ankerplatz trotz der Bettenburgen auf der anderen Seite.

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