Isla Graciosa - Insel mit eigenem Charakter
Bei gutem Wind verlassen wir die Bucht von Portimao, gefolgt von weiteren 4 Yachten, die wohl auch das gute Wetterfenster abgewartet haben. Die nächsten 5 Tage und Nächte sind wir unterwegs auf dem Atlantik, nach Nordsee, englischen Kananl und der Biskaya die vierte größere Überfahrt für uns. Dass wir gar nicht so weit weg von Afrika sind, ist nicht gerade beruhig
end. Man denkt gleich an Flüchtlingsboote, die über Nacht zu den nahegelegenen Kanaren aufbrechen, mit der Hoffnung, dort ein besseres Leben zu haben. Aber von Flüchtlingsbooten oder sonstigen unbequemen Begegnungen auf See keine Spur. Zu Anfang ist die See sehr unruhig, kurze steile Wellen schütteln das Boot durcheinander. Kursziel ist Madeira. Schon nach wenigen Stunden schläft der Wind plötzlich ein, wir nehmen das Groß runter und lassen uns nur vom Vorsegel durch die See
schaukeln. Die Wellen kommen unglücklicherweise wieder von der Seite, so dass das Schiff hin- und herschaukelt und mir übel wird. Obwohl der Wind von Ost kommt und eigentlich ideal auf dem Kurs nach Madeira, können wir den Kurs nicht halten und entscheiden uns am 2. Tag, direkt zu den Kanaren zu fahren. Schade, Madeira soll auch eine tolle Ins
el sein, aber was soll´s. Zeitweise sind die Wellen noch sehr hoch, unser Schiff
wird von den Wellen hochgetragen und gleitet die Wellen wieder herunter, wobei wir sogar mal eine Top-Geschwindigkeit von 10 kn erreichen! Sonst ist unser Schiff eher langsam und behäbig, das sich durch die Wellen nicht durcheinanderbringen lässt. Später lassen die Wellen etwas nach, es kommt guter Wind auf und wir ha
ben herrliches Segeln. Wie immer ist unsere ETA (Estimated time of arrival) für nachts angesagt. Wir lassen etwas Tuch rein, um nicht zu schnell zu sein und erst am Morgen im Hafen anzukommen,
den man Nachts besser nicht ansteuern sollte. Die Geschwindigkeit bricht auf 1,9 kn ein und lt. GPS-Angabe brauchen wir für die nächsten 16 sm sagenhafte 8 Stunden!!! Tja, die Sicherheit geht mal wieder vor, wodurch die Tour am Schluss noch etwas anstrengend wird, denn wer Bummelt schon gerne, wenn das Land in greifbarer Nähe ist? Am 5. Tag sind endlich die Inseln zu erkennen. An Alegranza und dem Roque del Este
vorbei geht´s Richtung Isla Graciosa, der kleinsten bewohnten Insel der Kanaren. Die Insel ist nur 6 x 3 km gross. Es gibt hier nur ein winzig kleines Fischerdörfchen, kaum Autos, nur ein paar Jeeps, mit
welchen Touris über die Insel kutschiert werden (viel zu viel laut der hilflosen Bürgermeisterin) , keine asphaltierten Strassen, nur Sandwege. Aber immerhin gibt es 4 Supermärkte, eine Bank, eine Post, und sogar ein Internetcafé, eine Videothek und ein Fitnessstudio (Sala de Musculación). Das Angebot in den Supermärkten ist sehr spärlich und teuer. Kommt eine Lieferung ins Haus, muss man schnell sein, um sich das beste rauszufischen. Waren am späten Abend die Regale
noch voll, konnten sie am Vormittag des nächsten Tages schon wieder geplündert sein. Hier kann man sich richtig vorstellen, wie es noch in der DDR war. Besonders die (billigen) Weinvorräte waren immer sehr schnell weg. An wem das wohl liegen mag??? Wie das Wort „graciosa
“ schon sagt, sind die Leute etwas eigen. Kein Wunder, wenn man so abgeschieden lebt. Täglich kommen Touristen mit der Fähre aus Lanzarote an, um die Abgeschiedenheit zu geniessen. Es gibt schöne Badestrände, an denen man es einige Zeit aushalten kann. Leider war das Wasser doch noch etwas zu kalt, aber mit Neopren ging´s. Die Vulkankrater laden zum Hochkraxeln ein. Auch wir erklimmen das Gipfelkreuz eines dieser Vulkane und sind ganz stolz, nach 100 Höhenmetern oben angekommen zu sein
Nach so langer Zeit auf See muss man sich erst wieder an die Berge oder besser gesagt Hügel gewöhnen.
Der Hafen ist sehr klein, es gibt
nur wenige Liegeplätze für Yachten, alle sind Blauwassersegler und man sieht nur noch selten Plastikboote. Laut Hafenführer von 2003 sind zwar schon die Anschlusssäulen für Strom bereitgestellt, aber Strom gibt es immer
noch nicht. Wie heisst´s so schön bei den Spaniern “Manana”. Tja, ob es jemals Strom geben wird??? Die Anschlusssäulen sind schon total vergammelt und allmählich wächst wohl sprichwörtlich Gras über die Sache. Die Fischer, die hier noch eine starke Lobby haben, reißen immer wieder die Kabel raus, weil sie Sorge haben, daß sie ganz unter die Räder kommen wenn die Touristen überhand nehmen. Aber uns stört das alles nicht. So viel Strom verbrauchen wir nicht, da wir auch kein Internet an Bord haben und unsere Computer beruhigt in der Ecke liegen lassen können und was die Hygiene angeht, gibt es herrliche Duschen am Strand, zwar etwas kalt, aber umso erfrischender! Und frisches Wasser kann man auch gleich nach jeder Dusche im Kanister mit zum Schiff zurückbringen. Ärgerlich, daß offensichtlich viel Subventionen in diese Infrastruktur geflossen sind, die aber sabotiert wird. Verstehen kann man die Dörfler, wenn man weiß, daß die Insel dem König gehört (oder jedenfalls dem spanischen Staat) und sich das Dorf nicht über die Insel ausbreiten darf. Und innerhalb der Dorfgrenzen hat der Bezirk Teguise von der Nachbarinsel Lanzarote das sagen, weshalb die Wartelist auf Grundstücke für junge Familien sehr lang ist.
Es gibt ein schönes Wiedersehen mit einigen der Yachten aus La Coruna.
Viele bleiben einige Tage und geniessen die Ruhe. Hier erkennt man aber schon, welche der Yachten weiterfahren und welche sich von der Reise schon verabschiedet haben. z. T. liegen total vergammelte Yachten im Hafen, deren Besitzer wohl s
chon vor langer Zeit das Handtuch geschmissen hat. Wir lernen auch wieder sehr nette Leute kennen, wie z. B. die quirlige Münchnerin Veronica, die schon längere Zeit mit ihrem belgischen Partner Jean-Paul auf der Insel lebt und immer froh über neue Ankömmlinge ist. Sie konnte uns superpraktische Tipps geben, wo´s was und wann gibt, wann die neuen Lieferungen kommen, wie die
Einheimischen ticken :-), etc., etc. Wir verbrachten eine sehr schöne Zeit zusammen. Aber, wie immer verflog die Zeit wie im Flug, die gemeinsamen Abende waren wie immer zu kurz. Und dann ist wieder der Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen, was immer schwer fällt. Die einen sieht man eventuell später wieder, die anderen vielleicht gar nicht mehr oder man bleibt per Email in Kontakt. Wer weiss. Nach einigen Tagen kennen wir jeden Stein auf der Insel, wollen wieder weiter. Schweren Herzens verlassen wir die Insel in Richtung Lanzarote, das gleich gegenüber liegt. Eigentlich ein Ort, den man gar nicht jedem verraten will.








Hallo wieder Claudia u. Thomas,
vielen Dank für die Seite. Ich lerne Geographic u. Deutsche Sprache durch das Lesen Eurer Seiten. Mir gefällt das Inhalt u. die Weise.
Mit herzlichen Grüssen, Francisco