Christmas and New Year at a boring place - Fuerteventura
Als nächstes Ziel wurde uns mehrfach das Fischerdorf Corralejo im Norden Fuerteventuras empfohlen. Von Marina Rubicon bis dort ist es ein kurzer sehr bequemer Schlag, für den es sich nicht lohnt, das Groß hochzuziehen. Also ganz bequem nur unter Genua nach Süden.
Corralejo will keine Segler
Von weitem sehen wir schon Peter vor dem Hafen ankern, ein Engländer, den wir schon seit La Graciosa kennen. Wir sind noch nicht ganz um die Hafenmole gefahren, da springt schon der Hafenmeister wie ein HB-Männchen wild gestikulierend auf der Mole herum, mit leuchtender Signaljacke bekleidet und scheucht uns weg, obwohl gut sichtbar mehrere Liegeplätze frei waren (oder weil er generell keine Fahrtensegler haben will). Peter war da dickfälliger und stellt sich taub. Ich war da zu voreilig mit meinem Spanisch. Also fahren wir nochmal eine Nacht an die Südküste von Lanzarote, gegen Schwell und Wind unter Motor. Offensichtlich werden einige Plätze für Charter-Yachten freigehalten. Ob offiziell oder gegen Backschisch wissen wir nicht. Allerdings hat Sunsail in der Gegend einige Bojen ausgelegt, die zu der blöden Situation führten, daß ein Boot 3 Meter hinter uns an eine Boje ging, obwohl kilometerweit alles frei war. Hätten wir wegen stärkerem Wind mehr Kette stecken müssen, hätten wir sie abgeräumt. Zum Glück haben sie aber die Boje nur zu Übungszwecken angelaufen und 1 Stunde Brotzeit gemacht.
Thomas wollte schon demonstrativ näher ran. Unserem Stahlboot wären sie sicher ausgewichen. Allerdings hatte er beim fertigmachen des Dinghys für einen Strandlauf lässig ein Paddel ins Dinghy geworfen, das genauso lässig vom Gummiboot wiederhochsprang und sich mit doppelter Schraube ins Wasser bohrte und von Thomas gerettet werden wollte. Thomas also in voller Montur ins kalte Wasser. Schließlich hat er ja mit 14 Jahren den Rettungsschwimmer gemacht. Das Paddel hat er dann wieder eingefangen und es mußte auch nicht wiederbelebt werden. Allerdings war Thomas dann die Lust auf Streit vergangen. Was kaltes Wasser doch so ausmacht.
Erst am nächsten Tag gings weiter an der Ostküste von Fuerteventura entlang südwärts nach Gran Tarajal, dem zweitgrößten Ort auf Fuerteventura. Immer mit einem Auge auf die Wasseroberfläche wegen der Düseneffekte hier. Der Hafen ist günstig und es gibt Strom und Wasser. Der Ort ist klein aber fein.
Spanische Schneckenpost
Er verfügt über gute Infrastruktur (Post, Bank, Internet) und ist ein guter Ausgangspunkt für diverse Ausflüge. Wir beschließen nach kurzer Zeit, hier Weihnachten und eventuell sogar Sylvester zu verbringen. Deshalb ist Thomas so wagemutig, in den USA ein Buch zu bestellen und postlagernd nach Gran Tarajal schicken zu lassen.
Wie naiv! Nach besorgter Rückfrage rechnet der Verlag mit 3 Wochen Postweg von den USA auf die Kanaren. Nach 2 Wochen gehen wir zur Post und lassen die eventuelle Lieferung nach La Gomera umleiten. Später werden wir aber das Buch anstandslos auf La Gomera in Empfang nehmen, wo es nach insgesamt 4 Wochen ankommt. Ein Buch, dessen erster Teil es innerhalb von 4 Tagen von den USA nach München geschafft hatte. Immerhin, sie funktioniert, die spanische Post, nur halt etwas langsamer.
Gran Tarajal
Wie der Name Fuerteventura schon sagt, herrschen hier oft sehr starke Winde. Auch wir konnten das einige Tage miterleben. Der Hafen ist zwar relativ gut geschütz, bei Ostwind kommt jedoch Schwell hinein. Der Wind heulte auf, es pfiff durchs Rigg, das Schiff bebte leicht und wurde nach rechts und links gezogen. Ohne Ruckdämpfer wäre das eine unangenehme Sache. Nach ein paar Sekunden kam die nächste Böe. Zu dieser Jahreszeit gibt es hier öfter Ostwind und dann kracht es auf diese Inselseite. Nur gut, dass wir nicht draussen auf dem Meer sind! Leider sind dadurch zwei Festmacherleinen durchgescheuert, trotz Schutzschlauch, der auch kaputtgegangen ist. Das ist natürlich ärgerlich, da die Leinen teuer sind, aber gut, kann man nix machen. Hauptsache wir lernen draus. Nur gut, daß wir noch in in Flensburg die guten hochflexiblen Polyamidleinen gekauft hatten. Wir haben das meiste Zeug weggeschmissen, was wir beim Schiffskauf an Bord gefunden haben.
Auf dem Bild sieht man, mit welchen dünnen Strippen ein Einheimischer seine Beneteau-Yacht festgemacht hatte (die hellen geknickten bis über die Streckgrenze gezogenen). Dann hat er dickere mitgebracht und zur Abfederung noch große Hohlblockziegel drangebunden (im Wasser). Die Bilder zeigen, wie die Schwimmstege auf und ab tanzen wegen des Schwells, der trotz der neuen Außenmole bei SE noch in den Hafen gelangt. Sieht halb so wild aus, die Kräfte auf den Festmachern sind aber enorm, die elektrischen Leitungen hatte es auf einer Stegseite auch abgerissen.
Morro Jable und Costa Calma
Weiter südlich liegt der alte Fischerort Morro Jable und die total künstliche „Urbanisation“ Costa Calma (Jandia), ein völlig von Deutschen eingenommener Küstenstrich. Wo man auch hinkommt, man wird gleich auf Deutsch angesprochen.
Es gibt die komplette deutsche Infrastruktur, deutschen Bäcker, deutschsprechende Ärzte, deutsche Supermärkte, deutsche Autovermietung, etc. Man muss überhaupt kein Wort Spanisch sprechen.
Statt sich unter Einheimische zu mischen, bleiben die Deutschen meist unter sich. Es soll sogar ein Dorf geben, wo fast nur deutsche Residents leben. Auch wenn die kilometerlangen Sandstrände verlockend sind, waren wir froh, wieder wegzukommen. An der Küste entlang gen Süden ein Hotelbunker nach dem anderen. Weitere Hotelanlagen sind im Entstehen. Fuerteventura ist normalerweise eine karge Insel, Wasser ist nicht im Überfluss vorhanden und kommt aus Entsalzungsanlagen. Sieht man die plötzlich wuchernde Vegetation, fragt man sich schon, wie die Insulaner mit ihrem Wasser haushalten.
Die Strassen werden von Palmen gesäumt, die über kilometerlange Schläuche mit Wasser versorgt werden. In Las Playitas gibt es einen grossen Golfplatz, der, wie wir gehört haben, noch vergrößert werden soll, wofür extra eine zweite energiefressende Entsalzungsanlage gebaut werden soll. Da fragt man sich natürlich, wohin das alles führen soll… Und ich hatte anfangs ein ganz schlechtes Gewissen, Wäsche mit der Hand zu waschen! An der Bushaltestelle regt sich ein älterer Deutscher auf, daß ein Taxifahrer den Motor laufen läßt, während er mit einem Kollegen quatscht. Thomas platz fast der Kragen und will ihm erzählen, daß das Taxi 20 Jahre seinen Motror laufen lassen könnte um so übel für die Umwelt zu sein wie sein Flug für lausige 2 All-Inklusive-Wochen. Ich kann ihn noch bremsen.
Sporthotel Las Playitas
Im Nachbarort Las Playitas gibt es ein schönes Sporthotel, das auch über ein 50 m Wettkampf-Schwimmbecken nach allerneuestem Standard verfügt. Ideal für uns Wasserratten.
Über den Berg ging´s zu Fuss zur 5 km entfernten Anlage, ein schöner Wanderweg entlang der Küste. Zusammen mit Olympia-Teilnehmern sprangen wir ins frische Wasser und ab ging die Post. Wie gut das tat!!! Wir fühlten uns wie Neugeboren! Durch das Segeln sind wir wie viele Segler doch sehr steif geworden und unsere Gelenke mussten mal wieder geölt werden. Gut das der in die Jahre gekommene Club La Santa Sport Konkurrenz bekommt. den hatten wir uns auf Lanzarote angeschaut. Da machen trainieren seit Jahrzehnten viele Profisportler und Urlauber, die mehr wollen als sich vom Büffee zur Standmatte zu schleppen. Las Playitas hat zwar nicht das große Programm von La Santa, ist aber nagelneu und auch noch günstiger. Der Rückmarsch war natürlich etwas beschwerlich, aber umso mehr freuten wir uns dann auf ein schönes Abendessen.
Ein Besuch in der Inselhauptstadt Rosario ist recht enttäuschend. Ein im Tourist-Office erhältlicher offizieller Führer durch die Stadt listet nur gastronomische Empfehlungen. Ein als Attraktion angepriesenes nachgestelltes Bethlehem neben dem Busbahnhof ist ziemlich ärmlich und die Busfahrt hin und zurück geht auch nur durch Wüste und traurige Dörfer. Immerhin, Thomas ergattert in einem Einkaufszentrum zwei Polbrillen, die zum Segeln hervorragend sind, weil sie Reflektionen vermindern, besonders Sonnenlicht auf dem Wasser.
Weihnachten
Und wie immer am 24.12. stand Weihnachten pünktlich vor der Tür! Ich suche vergeblich in den deutschen Supermärkten nach Plätzchen, um wenigstens etwas Weihnachtsstimmung (zumindest für die Seele) aufkommen zu lassen.
Aber leider ohne Erfolg! Ob ihr es glaubt oder nicht, wir haben sogar die Weihnachtsmusik-Berieselung vermisst! Käme nachts die Weihnachtsbeleuchtung nicht zur Geltung, würde man nicht meinen, dass Weihnachten ist. Kein Stress, die Leute gingen wie gewohnt ihren Geschäften nach, keine Konsumgeierei, einfach nur relaxed. So stellt man sich das vor, aber ein bisschen mehr Stimmung wär nicht schlecht gewesen.
Und am Abend gab´s Würstl mit Sauerkraut (alles andere als Spanisch, aber einfach). Es war ein sehr gemütlicher Abend. Irgendwie haben wir aber schon die Kälte, den Schnee, Glühwein, die Weihnachtsmärkte und natürlich unsere Familie und Freunde vermisst.
Sylvester
So unspektakulär wie Weihnachten war auch Sylvester. Im Hafen war wenig los, ausser einem Franzosen, der aufgrund Motorschadens nicht weiterkonnte und ein paar weiterer verlorener Seelen war im Hafen nicht viel los, es fand nicht der typische Austausch auf den Stegen statt, wir hatten nicht die Gelegenheit, mit anderen Seglern Kontakt aufzunehmen. Also machten wir uns stadtfein, in der Hoffnung, in der Stadt auf ein paar Gesellen zu treffen, haben extra für uns beide 12 Trauben eingesteckt, denn in Spanien ist ja Tradition, um 24:00 Uhr mit jedem Gongschlag eine Traube in den Mund zu stopfen (da gab’s schon Tote), kamen auf den Kirchplatz und ausser einem verlorenen Köter herrschte gähnende Leere. Kein Schwein war auf den Strassen unterwegs. Überall aus den Wohnungen ertönte laute Musik, die Leute machten sich für das Öffnen der Champagnerflaschen bereit, aber alles privat, nicht, wie man in grossen Städten gewöhnt ist, auf der Strasse. Es wurden auch wenig Raketen abgefeuert, ab und zu hörte man es weit entfernt krachen.
Seenotsignale
Wir verzogen uns in einen Palmenhain, um die abgelaufenen Notraketen abzuschiessen, nicht am Strand, um keine Hubschrauberaktion auszulösen, manche krachten noch ganz gewaltig.
Claudia, die Angst vor Raketen hat, schoss mit zugekniffenen Augen die ein oder andere Rakte in die Luft. Mal ganz interessant, den Mechanismus der Notraketen auszuprobieren und an Sylvester bietet sich ja die beste Gelegenheit dazu (psst, ich weiß, schwer verboten!).
Um 01:00 Uhr kamen ein paar Leute aus ihren Löchern hervorgekrochen, alle fein angezogen, und machten sich auf den Weg zum Festplatz, wo eine Liveband spielte. Nachdem wir das Durchschnittsalter erheblich erhöht hätten, gingen wir wie begossene Pudel auf unser Boot zurück und öffneten dort ganz heimlich eine Flasche Sekt.
So ein lahmes Sylvester haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Und wie schmerzlich waren dann später die Berichte aus Las Palmas/ Gran Canaria, wo die Segler-Community ausgiebigst gefeiert hat! Nächstes Jahr wird´s besser! Das haben wir uns fest versprochen.
Staubstürme
Eines morgens kommt Thomas von einer Laufrunde zurück und traut seinen Augen nicht. Jeder einzelne Faden unseres eigentlich weißen Relingsnetzes ist an einer Seite rostrot, aber nur an einer Seite, die Rückseite ist noch weiß. Erst nach einer Weile erkennen wir, daß das der Wüstenstaub sein muß, der seit Tagen aus immer der gleichen Richtung von der Insel auf unser Boot geblasen wird. Unser englischer Nachbar Peter behauptet, daß soviel Phosphor darin sei, daß davon seine Wanten ganz verrostet seien, die normalerweise aus Edelstahl sind, seine aber wie bei den Fischern aus verzinktem Stahl.
Unterwasserschiff
Bevor es weiter nach Gran Canaria geht, halten wir noch kurz in Morro Jable an, um das Unterwasserschiff abzutauchen. In Deutschland ist es gerade kalt bis minus 19 Grad, viel Schnee und Eis auf den Binnenschiffahrtsstrassen, Warnung vor Eisregen, wow! Und bei uns ist es so warm, daß wir vor Morro Jable den Rumpf abtauchen, um zu entscheiden, ob wir das Boot in Las Palmas rausholen, um den Unterwasseranstrich (nur das Antifouling) zu erneuern. Das war auch der einzige Grund hier nach Morro Jable zu fahren, wo überall deutsch gesprochen wird.
Der Sandboden vor dem Strand ist so hell, daß wir uns etwas Reflektion für die Inspektion unseres Schiffsbodens versprechen. Thomas weigert sich immer im Hafen zu tauchen wegen der leckeren Sachen die da so herumschwimmen. Naja, ohne Neoprenanzug ist das Wasser zu kalt, das Touristenradio lügt wie gedruckt, also Gummianzug an und rein.
Ein besonderes Problem beim Tauchen unter den Rumpf ist, daß der dicke isolierende Neopren und die luftgefüllt Taucherbrille doch außerordendlich gut schwimmen und uns stark nach oben ziehen, was aber manche Beule bringt, wenn da oben ein Schiff ist.
Thomas überlegt, sich ein paar Hantelscheiben um den Bauch zu schnallen, aber dazu kann er sich im tiefen Wasser wirklich nicht durchringen. Wieviele das sein müßten, werden wir sicher noch in einem Tauchkurs lernen, den wir noch machen wollen, aber nur in warmem Wasser. Außerdem haben wir uns wieder erinnert, daß wir eine Leiter brauchen, weil wir ja ein sicheres Schiff mit hohem geschlossenen Heck haben und nicht so eine offene schwimmende Badeplattform wie z. B. die Bavarias. Wir haben zwar ein paar Leitersprossen fest installiert am Heck, aber die unterste Sprosse ist immer noch über der Wasseroberfläche. Ist recht akrobatisch und kraftaufreibend, sich an den glatten Edelstahlrohren hochzuziehen. Und das schon bei ruhigem Wasser, an Seegang will ich gar nicht denken. Später in Las Palmas werden wir die längste Außenleiter kaufen, die sie haben und auch die reicht nicht bis zum Wasser hinunter. Wir werden uns da noch was einfallen lassen.
Ich nehme einen Schrubber mit unter Wasser und mache mich über das Pendelruder der Selbststeuerungsanlage her. Die einzige Stelle, die wir vor dem Zuwasserlassen vergessen hatten, mit Antifouling anzustreichen, weil wir das Pendel erst später montiert hatten und die Farbsauerei nicht wieder haben wollten. So bekommt es nach einigen Wochen immer einen schönen Bart und steuert nicht mehr so recht. Panik für Thomas, der Rudergehen so haßt. Dann lieber ins kalte Wasser! Leider ist unser Unterwasserschiff dunkelrot gestrichen, so daß nur schwer erkennbar etwas zu erkennen ist. Der Bewuchs hält sich in Grenzen und sieht eher aus wie der Flaum eines 14-jährigen. Jedenfalls keine Muscheln oder andere starke Bremsen.
Das bißchen Flaum könnten wir sogar mit der Hand wegschieben, aber wir haben selbstabschleifendes Antifouling drauf, das dann ebenfalls leidet. Wie empfindlich das ist, hatten wir beim säubern im Heimathafen schon gemerkt. Der Vorteil des selbstabschleifenden Antifoulings ist, daß nach und nach immer neue Schichten ihren Wirkstoff abgeben können, während klassische Farben derart giftig sind, daß sie zu Beginn unnötig stark sind und nach einiger Zeit gar nicht mehr wirken, insgesamt aber hundertfach schädlicher für die Umwelt.
Wir wissen aber erst jetzt, nach dreieinhalbtausend Seemeilen, ob unser Antifouling auch hält. Wir sind selbst überrascht, erst recht nachdem man immer liest, daß jedes Revier so seine eigenen Giftcocktails braucht. Naja, wir sind ja auch noch nicht in richtig heißen Gebieten, wo der Bewuchsdruck doch höher sein soll. Außerdem haben wir so manches Mal in Flußmündungen geankert, wo die Seemuscheln in Süßwasser klein bei geben.
Wir sparen uns das Abklappern der in den Pauschaltouri-Zentren üblichen Klimbimläden, allerdings kann Thomas nicht an einem Photoladen vorbeigehen weil er dringend noch ein Polfilter braucht und auch ein Haarschneider soll’s noch sein. Er stellt sich dumm (das kann er gut!) und bekommt alles um über 40% billiger, natürlich nur weil er so nett ist und gegen bar und weil der Chef gerade nicht da ist und nur als Supersonderausnahme und mit all solchem Geschwätz. Diese Läden, die auch hier fest in der Hand von Pakistanis oder Indern sind, machen immer noch einen Schnitt mit ihren China-Fakes. Sogar Videokameras sollen hier gefälscht über die Ladentheke gehen.
Perfekte Manöver
Außer den perfekten Ankerbedingungen bei nördlichen Winden vor schönem Strand gibt es nichts was uns hier hält. Nur ein langes Beachtennismatch bis zur Dunkelheit noch. Dann ein Bilderbuchmanöver. Gegen brechende Wellen ein Dinghy ins Wasser zu bringen, reinzuspingen und schnell über die Stelle gepaddelt ab der die Wellen brechen, dazu gehört schon Timing, Teamwork und Übung. Schon die Landung war perfekt und manch Strandlieger war wohl enttäuscht, daß es uns in der Brandung nicht reingeschnissen hat. Jetzt aber das schwierigere Ablegemanöver. Also beobachten der See, Stelle aussuchen, wo die Uferneigung kleinere Grundseen hat, Wellenfrequenz checken, vorausschauen wann die nächsten etwas flacher sind, warten, warten, und los geht’s.
Wir rennen mit dem Dinghy zwischen uns ins Wasser, Schuhe und Einkäufe schon drin. Thomas die teure Kameraausrüstung im Rucksack, ich springe rein, wie besprochen soll das Boot immer Richtung Meer ausgerichtet bleiben, gar nicht so leicht, Thomas schiebt noch von hinten und während er bäuchlings übers Heck rein hechtet, paddele ich wie irre los. Alles sollte in 15 bis 20 Sekunden klappen. Hat es dann auch, sogar perfekt, und alles hat so ausgesehen als ob wir das schon 1000 Mal gemacht haben. Wir bilden uns ein, daß wieder viele Zuschauer nur auf einen Dinghykipper gewartet haben. Auf Lanzarote war bei so einer Übung mangels Absprache so ziemlich alles schief gegangen und Thomas wurde von einem Brecher sogar das ganze Dinghy und Paddel ins Gesicht geschleudert.
Acceleration Zone
Am nächsten Tag wollen wir erst spät losfahren, damit wir nach der Nacht in der Morgendämmerung vor Las Palmas stehen. Wir gammeln bis Mittag und hören wie neugierige Kinder zurückgerufen werden, die zu uns schwimmen wollen. Auf deutsch natürlich. Kurz darauf kommt rasant ein Trampolinkat bei uns vorbeigesaust und ruft ein Frohes Neues Jahr, auf deutsch. Wir haben ja auch den Adenauer hängen.
Danach dann noch ein Bilderbuchstart. Anker auf. Nix hängt dran, muß nicht sauber gefahren werden. Das Groß ist oben, schon bevor wir richtig auf Kurs sind. Genau mit Rollanlage ist eine Sekundensache. Windsteuerung eingeklinkt und ab geht’s. Phantastisch. Noch hell, langsam in die Dämmerung hineinfahren, genauso wie wir es mögen.
Doch dann - denkste. Vor uns eine große dunkle Stelle auf dem Wasser. Da war doch was? Thomas zieht ganz schnell die Genua ins kleinste Reff und dann erreichen wir auch schon die Düse. Nach Buch müßte die “Acceleration Zone” eigentlich woanders sein. Bei NW ist sie aber ganz logisch hier. Man braucht sich nur die Karte anzusehen.
Haut uns ganz schön auf die Seite, aber LORBAS ist ganz souverän und zieht stur wie ein Esel gerade aus. Wir wollen nicht zu weit nach Süden, aber vor der Westhuk auch nicht soweit nach Norden, da liegen Steine.
So fahren wir genau auf der Linie, die die Fähre zwischen Las Palmas/Gran Canaria und Morro Jable/Fuerteventura nimmt. Sie kommt uns entgegen und weicht auch artig aus. Das war uns eine Lehre. Die Düsen bauen zwar keine große Welle auf, sind aber ganz schön lästig. Und dann merken wir, daß wir uns völlig verschätzt haben. Trotz Reff sind wir immer noch über 6 kn schnell. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt, weil wir fast nie guten Wind hatten, aber heute haben wir raumen Wind und wenn es so weitergeht, sind wir weit vor der Morgendämmerung vor Las Palmas. Wir müssen wohl noch mehr reffen und die Zeit abbummeln.
Anm. v. Thomas:
Mein Leben lang war das jeweils vergangene Jahr so schnell vergangen, daß ich es kaum glauben und wahrhaben wollte, weil wegen Job und Alltagsroutine kaum Zeit zu leben blieb, abgesehen vom vorpubertären Alter, wo es gar nicht schnell genug gehen kann mit dem älter werden. Zum ersten Mal kommt mir heute rückblickend die Zeit zwischen dem letzten Sylvester und diesem viel länger vor. Wohl ganz einfach weil dieses Jahr so ereignisreich und auch anstrengend war. So viele Eindrücke, Erlebnisse, interessante Menschen und Zeit für uns (wenn auch viel zu wenig). Auf jeden Fall freuen wir uns sehr auf das kommende Jahr und was es alles unerwartetes bringen mag. Wir haben bis jetzt alle menschlichen, navigatorischen, bürokratischen und technischen Klippen gemeistert und sind in der kurzen Zeit reifer geworden als im Alltag über Jahre hindurch. Wir haben uns selbst und den anderen viel besser kennengelernt und wissen viel besser wie sehr wir uns aufeinander verlassen können. Wir haben viele Situationen erlebt, die wir zuhause nie oder nur innerhalb vieler Jahre einmal erlebt hätten. Wir haben auch unsere Ziele etwas relativiert. Sind wir bisher beinahe “weggelaufen” vor all den schrecklichen (vom Hörensagen und Anlesen) Seegebieten, so wissen wir heute was von dem Gerede wichtig und was Unfug ist. Wir wollen uns viel mehr Zeit lassen und uns auch keine feste Route vorgeben. Auf jeden Fall freuen wir uns auf das nächste Jahr und wissen, daß wir noch mehr schöne Erlebnisse haben werden als schon im vergangenen.














































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