Gran Canaria - for us only Las Palmas

Viel zu schnelle Nachtfahrt nach Las Palmas

Claudia, Anna, Franz, Harald und John (Thomas behind camera)
Claudia, Anna, Franz, Harald und John (Thomas behind camera)

Weil wir dieses Mal wieder nur eine Nacht vor uns haben, lasse ich Claudia auf der Fahrt von Morro Jable auf Fuerteventura nach Las Palmas auf Gran Canaria schlafen und wecke sie erst als wir Gran Canaria schon wie einen Weihnachtsbaum beleuchtet vor uns haben. Ach du meine Güte. Wir sind unerwartet und ungewohnt schnell weil wir wenig Welle und raumen Wind hatten und ohne Kreuz direkt Kurs anlegen konnten.

Night approach @ Las Palmas
Night approach @ Las Palmas

Kurz vorher einige Fischer und Fähren, einige tieffliegende Flugzeuge und Hubschrauber, jetzt nimmt aber der Dickschiffverkehr zu. Eins überholt uns in scheinbar nahem Abstand. Mit dem Radar hätten wir es messen können, aber das haben wir ausgeschaltet, weil es ein übler Stromfresser ist.

Bright as daylight
Bright as daylight

Reede vor Las Palmas
Roadstead @ Las Palmas

Dann sehe ich aber, wie sich die lange Lichterkette eines vermeintlichen KüMos vor das beleuchtete Gran Canaria schiebt und darüber noch ein riesiger schwarzer Aufbau den Hintergrund abdunkelt. Ein Riesen-Containerschiff also, bestimmt 5 bis 6 Lagen Container noch über Deck gestapelt, wegen der Größe nur optisch näher als min Wirklichkeit. Wenn der zu nahe käme, würde der uns den ganzen Wind wegnehmen und uns manövrierunfähig machen, solange die Maschine nicht an ist. Allerdings laufen die großen alle nur mit Schleichfahrt schon einige Seemeilen vor Las Palmas.

Not our league
Not our league even more @ night

Ich bin noch ganz fit, weil unser erster Maat, die Aries, heute einen tollen Job gemacht hat und nur zweimal nachjustiert werden mußte. Die Windrichtung blieb die ganze Nacht fast konstant. Dann wieder eine neue Erfahrung. Wir tasten uns durch das dichteste Reede-Feld, das wir bis jetzt gesehen haben. Schrott-Transporter, Petrodampfer, Stückgutfrachter, einige finster, andere halogenbeleuchtet.

Daylight surprise - a really big city
Daylight surprise - a really big city

Schon von Ferne sehen wir viele Lotsenboote und Schlepper aus dem Hafen rein- und raussausen. Um uns kümmert sich keiner und wir verbaseln die Zeit bis zum Sonnenaufgang zwischen all den großen, die vor Anker liegen. Nach Cruising Guide, Papierkarten und mehreren elektronischen Karten ist der Hafen zwar ganz einfach anzusteuern, aber wenn Karten ein paar Jahre alt sind, kann sich doch etwas geändert haben und wir haben ja keine Eile. Gottseidank werden die Tage wieder länger und der Morgen beginnt täglich früher. Daß wir weiter südlich sind, sehen wir nicht nur daran, daß der Nordstern schon sehr niedrig hängt, sondern auch daran, daß die Dämmerung recht kurz ist.

Millionenstadt Las Palmas

The capital of the whole archipel
The capital of the whole archipel

Dann, beim Segelreinholen, während es immer heller wird, wieder ein Schreck wie er uns ähnlich noch aus La Coruna bekannt ist. Die ganze Waterline mit Hochhäusern zugepflastert. Erst später wird uns bewußt, daß Las Palmas ja eine Großstadt ist, die auch in die Höhe gebaut ist, immerhin 800.000 Einwohner und somit größer als Frankfurt oder Dortmund und mit Umgebung locker als Millionstadt durchgeht.

The marina in front of the town center
The marina in front of the town center

Nur halt ohne Schwerindustrie. Wir werden das alte touristische Las Palmas kennenlernen und auch das moderne Business-Las-Palmas. Nun können wir sehen, was Karten, Ansteuerungsbeschreibungen und Revierhandbücher eh schon gesagt hatten, nämlich daß die Ansteuerung von Las Palmas auch nachts völlig unproblematisch gewesen wäre. Aber hinterher ist man immer schlauer. Vorher ist bei uns Sicherheit Nr. 1 und das heißt, uns nicht unnötig nachts in engen Gewässern herumzutreiben.

Second biggest atlantic harbour Las Palmas
Second biggest atlantic harbour Las Palmas

Unser Anker fällt direkt neben der Marina in einer großen Lücke zwischen anderen schon ankernden Booten. Einige haben wir schon mal irgendwo gesehenen, können uns aber nicht entsinnen. Wie immer stecken wir im flachen Wasser mehr Kettte als die im sogenannten „Segel-Führerschein“ angediente unsinnige dreifache Wassertiefe. Kaum haben wir aufgeräumt, kommen noch zwei französische Dreimaster und einer legt sich genau über unseren Anker. Jetzt könnten wir nicht mehr weg, ohne den dicken Pott wegzuschubsen.

Anchorage sails
Anchorage sails

Nach kurzem Verschnaufer geht es auch gleich an Land. Wir sind irritiert über die 8(!)-spurige Hauptstrasse direkt am Strand entlang, 4 in jede Richtung. Zum ersten Mal haben wir unsere neue Niro-Kette dabei, um unser Wassertaxi ordentlich anzuschließen und suchen eine Palme dafür. Da springt ein deutscher älterer Mann von seiner Strandmatte auf und fragt uns ein bißchen aus über woher und wohin und bietet uns an, auf unser Dinghy aufzupassen. Zum Glück informiert er uns über den morgigen höchsten spanischen Feiertag (Hl. 3 Kge.) an dem alle Geschäfte geschlossen seien und bemerkt gleich, daß hier seit drei Wochen die Räder still stünden und überhaupt hier alle so faul seien und nix geschafft kriegten.

Storm sail @ anchorage
Storm foresail @ anchorage
Impression @ anchorage
Impression @ anchorage

Wir bleiben freundlich, machen erste Erkundungen und verschieben das Anmelden im Hafen auf morgen. Etwas Einkaufen wegen des Feiertags und im Regen schnell zurück an Bord. Auf dem Weg zum Dinghy wundern wir uns über viele Menschen am Strassenrand und erkennen erst an Bord aus dem Fenster und per Fernglas, daß heute ein Umzug stattfindet mit hell erleuchteten Motivwagen, wie Karneval in Deutschland. Aber Müdigkeit, Hunger, Regen und Kälte dämpfen unsere Neugier so sehr, daß wir nicht mehr an Land fahren. Schade. Am nächsten Tag sehen wir an den Konfettispuren, daß der Umzug viele Kilometer nach Süden bis in die Altstadt ging.

Immer was los am Ankerplatz

Laser training

Laser training

Allein die Sorge, nicht mit anderen Booten zusammenzustoßen, ist schon eine unentspannte Angelegenheit. Zwar richten sich alle Boote immer in Windrichtung aus und drehen dann in die gleiche Richtung, aber mit unserem Sicherheitsdenken sind wir meist die mit der längsten Kette und haben bei Winddrehungen immer Sorge, andere Boote einzusammeln, die manchmal extrem kurz stecken. Peter ist auch da und wir haben manchen Schwatz zusammen. Mehrere große Katamarane lassen Neid aufkommen, aber den Vogel abgeschossen hat eine Truppe älterer Kanadier, die sich einen großen Motorschlepper fitgemacht haben und gleich ein großes Motorboot und einen Jeep an Deck mitnehmen, und das ganze mit einem großen Kran an Land befördern können.

slalom surfing
Slalom surfing in anchor field

Täglich kreist die Wasserpolizei durch das Ankerfeld und grüßt dabei ganz freundlich. An vielen Nachmittagen und ganz besonders am Wochenende ist alles auf dem Wasser, was nicht untergeht. Kanuten trainieren indem sie verbissen hin und her paddeln bis in den Industriehafen hinein. Laserflotten proben Regatten, Surfer nutzen jede Brise und sind manchmal bedenklich unbeholfen und kommen gerade noch so eben an unserem Rumpf vorbei. Katsegler zeigen ihre Künste auf einer Kufe und normale Segler legen sich sportlich auf die Seite. Nur die Fahrtensegler, so auch wir, schmeißen einfach den Außenborder an wenn sie zum Einkaufen oder in die nächste Bar wollen. Einmal fahren wir den Tank leer und verrecken auf der Rückfahrt auf halber Strecke, gerade als wir aus dem Hafen heraus sind. Ein Gummidinghy vollbeladen gegen den Wind zu paddeln ist schon eine Plage. Aber ein freundlicher Nachbar der zufällig auch auf dem Heimweg ist, nimmt uns in Schlepp bis zu unserem Schiff.

Peter cleans his stern

Peter cleans his stern

Es gibt kaum einen Unterschied zwischen Tag und Nacht. Auch nachts ist es taghell wegen der vielen Lichter und der Autoverkehr ist 24 Stunden zu hören. Großstadt halt. Anders als in Anne Hammicks Revierführer Kanaren beschrieben, ist der Ankerplatz nördlich der Marina gar nicht schwellig und die Welle von der Berufsschiffahrt hält sich in Grenzen. Es kommen immer zwei. Erst die direkte und dann die, die von der Kaimauer reflektiert wird. Nach einer Weile können wir schon verschiedene Schiffe unter Deck auseinanderhalten. Die Fähren z. B. geben soviel Gas, daß die Kavitation an den Schrauben bei uns als lautes Knistern ankommt.

Big canadian towboat with Jeep, motor boat & crane

Big canadian towboat with Jeep, motor boat & crane

Nach ein paar Tagen ist für abends starker SE angesagt. Das ist die einzige Windrichtung für die der Ankerplatz nicht geschützt ist, wenn man sich die Karte anschaut. Wir machen uns auf in den Hafen, bleiben bis zur Abreise auch dort und mögen die bunte Yachtieszene dort sehr. Wir hatten uns schon ein paar Tage zuvor dort gemeldet und auch gleich eine Gebühr fürs Ankern bezahlen müssen. Das gabs noch nie. Später bedient ein Angestellter per Joystick eine Zoomkamera auf dem Rezeptionsgebäude, und fährt ganz nah ran an unseren künftigen Liegeplatz. Sagenhaft. Big Brother is watching you.

Seglerbekanntschaften

Sometimes windy @ anchorage

Sometimes windy @ anchorage

Am nächsten Tag treffen wir die nette holländische Familie wieder aus der Ankerbucht vor Ferragudo in Portugal. Sie sind mit ihren zwei Töchtern, die an Bord unterrichtet werden, auch auf dem Weg zu den Kapverden und wollen dann nach Surinam (holl. Guyana, nördl. v. Brasilien). Sie sind gerade von Marokko eingetroffen und sind traurig über das schlechte Wetter hier. Sie berichten davon, daß kürzlich ein Boot gefunden worden sei mit 18 (offensichtlich gestohlenen) Außenbordmotoren darin. Wir denken sofort an unsere neue Niro-Kette.

Heading towards Chile

Heading towards Chile

Kurz darauf treffen wir Marc wieder, einen belgischen Segler, den wir schon aus La Coruna in Galizien kennen, und seine Tochter samt Mitsegler. Er will als Ruheständler durch den Panama-Kanal und um das Südpazifikhoch nach Chile, um sich dort niederzulassen, ist aber durch Motorprobleme hier in Las Palmas aufgehalten worden. Er hat seine bisherige Crew gegen seine Tochter eingetauscht und weiß zu berichten, daß kürzlich 20 Yachten aufgebrochen worden seien, um die Laptops zu stehlen. Auweia, stille Post. Am nächsten Tag sehen wir in der Sailor Bar Leute ganz eifrig an ihren Notebooks und wie immer will ich gleich ganz beiläufig fragen, ob man WLAN-Empfang hätte und wie denn wohl der Code sei. Ich frage, ob denn so un petit peu anglais ginge und in breitem österreichisch kommt zurück, auf deutsch sei ihm lieber. Der gute Mann ist Volkmar, 68, blitzende Augen, superfröhlich, hellwach, und fragt uns gleich, ob wir zu den Kapverden wollen. Ja, sag ich und gleich kommt die Frage, ob wir denn noch Crew bräuchten. Allerdings müßte er schon in einer Woche los, weil er dann ein Schiff von den Kapverden in die Karibik überführen müßte. Geht also mit uns nicht, weil wir ja in 6 Wochen Claudias Eltern auf Gomera erwarten. Wir haben dann noch zwei Stunden ein Bier zusammen getrunken und Volkmar erzählt uns, daß er seit ein paar Wochen schon auf Gran Canaria sei und für ein paar Stunden Arbeit die Woche auf einer Öko-Finka Kost und Logis erhält, ansonsten aber auf Weltumsegelung sei.

Bluewater scene is very different to charter boat fleets

Bluewater scene is very different to charter boat fleets

Bis nach Panama hat er seine Trips zusammen, zum Teil bezahlt, nur „nach Cabo Verde muß ich wohl fliegen, obwohl ich meinen ökologischen Fußabdruck klein halten will“. Bin sprachlos! Als wir fragen, ob er denn jemanden kenne, der uns einen Geräteträger schweißen könnte, bin ich innert 20 Sekunden per Skype von seinem Notebook mit seinem Freund Bernd verbunden, irgendwo in Norddeutschland. Bernd fragt auch gleich woher und wohin und sein erster Rat ist, daß auf den Kapverden geklaut wird auf Teufel komm raus und daß sich die 30-€-Marina auf jeden Fall lohne wegen der Sicherheit. Sogar die Marktfrauen würden Weiße über den Tisch ziehen. Also, so langsam habe ich wirklich die Nase voll von all den Horrorgeschichten, weil ich auch in der sichersten Stadt Deutschlands, in München, ein 2.000-€-Mountain-Bike nicht ohne Schloß auf dem Marienplatz parken könnte.

Yachtie scene

Yachtie scene

Trotzdem ein toller Morgen mit Volkmar mit vielen Geschichten aus der Hand-gegen-Koje-Szene, die uns nochmal bestätigen, daß die Mitnahme wildfremder Leute auf kritischen Törns nichts für uns ist. Nachdem Volkmar uns seine Homepage zeigt, machen wir uns auf den Weg zu einem Niro-Experten, um ein Angebot für unseren Geräteträger einzuholen.

Seit langem mal wieder haben wir eine Menge kleiner Kinder auf unserem Steg, besonders die Franzosen sind oft mit der ganzen Familie unterwegs. Später auf Gomera hören wir zum wiederholten Male von Kindern, die nach der Rückkehr Klassen übersprungen haben, manchmal mehrere, weil sie den Kindern aus der Regelschule davongezogen sind in Bezug auf den Lernstoff. Kein Wunder, wenn Eltern praxisnah und individuell auf das Kind eingehend Einzelunterricht geben können und die Kinder Gelegenheit haben, andere Sprachen direkt im Lande zu lernen. Welch ein Unterschied zum in Deutschland immer noch üblichen Frontal(massen)unterricht mit 30 Schülern.

John, always ready ...

John, always ready ...

Später treffen wir noch die Österreicher Anna und Franz, die schon 4 Jahre unterwegs sind. Werner und Ellen aus Berlin sind zwar pensioniert, haben aber in der warmen Jahreszeit was Gastronomisches in Berlin, ansonsten sind sie aber jedes Jahr 7 Monate auf den Kanaren auf dem Boot unterwegs. Wir treffen John wieder, den wir schon aus La Graciosa kennen und seit 6 Jahren auf dem Weg nach Brasilien ist. Die Chancen stehen gut, wenn er nicht auf den Kapverden hängen bleibt.

Mit den Iren Marc und Eileen ziehen wir um die Häuser und platzen  in eine Salsa-Tanzschule, die ziemlich fortgeschritten ist. Alle fanden „that was fun, wasn´t it?“, nur ich hatte ein schlechtes Gewissen wegen unseres Elefantenballets, das wohl nur gestört hat. Wenn ich da 30 Jahre zurückdenke an meinen ersten Tanzkurs, wenn da ein paar Türken reingeplatzt wären, um sich einen Spaß zu machen, das wäre nicht gutgegangen. Die Spanier hier waren aber absolut freundlich und manche Spanierin hat mich ganz resolut herumgeschubst obwohl ich ja eigentlich hätte führen sollen.

... for a joke

... for a joke

Eine Menge Hitchhiker sind hier unterwegs. Hauptsache in die Karibik. Bei manchen Gestalten hatte ich allerdings Zweifel bei dem Motto „Hand gegen Koje“. Da hätte ich höchstens gesagt, Du kannst wohl mitfahren, aber rühr bitte nix an. Allerdings haben Claudia und ich uns überlegt, daß uns das Risiko, drei Wochen mit wildfremden Menschen auf engem Raum zusammengepfercht zu sein, zu hoch ist. Einfach zuviele Horrorstories gibt es darüber.

Eine andere unschöne Geschichte spielt sich in einer Nacht am Nachbarsteg ab. Ein Einbrecher stolpert über den Skipper, der im Cockpit schlief und verletzt ihn mit 3 Messerstichen. Der Skipper mußte in die Klinik, hat aber wohl alles heil überstanden. Einige Tage darauf berufen Polizei und Hafenmeisterei eine große Versammlung ein, um die Segler zu besonnenem Verhalten aufzurufen und so tolle Aktionen wie verstärkte Wachgänge und Polizeipatroullien anzukündigen.

Boat doggy

Boat doggy

In einigen Monaten soll dann auch ein Codeschloß mit Kartenbedienung an den Stegen angebracht sein. Naja, mal sehen wie lange das hier dauert. Fernsehen war auch gleich dabei und der offensichtlich überforderte Offizielle konnte keine Angaben zu den sonst üblichen Dieben geben, die schon auf der Yachtseite des Zaunes sind, weil sie per Motorboot an die Stege fahren und auch wieder flüchten. Immerhin erinnert uns das Ereignis daran, daß wir hier in einer Großstadt sind.

Eines Tages klopfen ältere Leute an unser Boot und fragen nach den Frequenzen für die Wettervorhersage. Später erfahren wir von anderen Seglern, daß das Weltumsegler waren, die schon lange unterwegs sind. Paßt irgendwie nicht zusammen. Die sollten doch eigentlich alle Informationen haben, bevor sie in bestimmten Gebieten segeln. Ein Segler nebenan hat ein nagelneues Boot und erzählt, was da in den ersten Monaten alles schon kaputt ging. Gottseidank Garantiefälle, aber wir sind froh, daß bei uns bis heute keine einzige Kleinigkeit defekt war, abgesehen von vereinzelten Wartungsarbeiten.

Gemischte Erfahrung beim Bunkern und Versorgen

Wenn man bereit ist, auch noch auf die grüne Wiese zu fahren, ist Las Palmas ein Einkaufsparadies. Aber auch schon in der City gibt es fast alles, was das Herz begehrt. Wir versuchen, uns mit Petroleum vollzubunkern für die nächsten 12 Monate und rennen uns die Hacken wund, erstmal vergeblich, weil doch die meisten heute an Bord mit Gas kochen. Dabei kommen wir an einem Ökoladen mit Klamotten, Schuhen und Krimskrams vorbei, der gerade Winterschlußverkauf hat. Obwohl wir eigentlich keine neuen Klamotten brauchen, kommen wir vollgepackt am Boot an.

Cruising atmosphere - many kids on our pontoon

Cruising atmosphere - many kids on our pontoon

Wir finden jede Menge Geschäfte, die wir ohne Petroleumsuche nie gefunden hätten. In den meisten gibt es das Zeug aber nur in homöopathischen Mengen zu astronomischen Preisen und zweifelhafter Qualität. Eine der vielen Ferreterias bestellt das Zeug extra für uns in größeren Mengen und zu günstigem Preis. Eine Klappkarre für schwere Einkäufe, die wir außerhalb in einem großen Gewerbegebiet gekauft haben, hält keine 10 Minuten durch, aber da sind wir leider schon wieder im Bus. Das ist das Schicksal der Langzeitsegler, Reklamationen und Garantieansprüche sind sehr schwer und wenn dann nur sehr aufwendig umzusetzen. Alle Ausrüster wissen das natürlich und viele nutzen das auch aus.

Lorbas @ the end of the "steel" pontoon

Lorbas @ the end of the pontoon

Wir fragen jeden nach einer Schweißmöglichkeit für einen Geräteträger (von den Engländern treffend Goal Posts genannt), der unser zweites Solarpanel aufnimmt und den Windgenerator, den wir nun doch kaufen wollen. Unser Stromverbrauch ist schon allein wegen der PCs nicht durch die Sonne und die wenigen Motorstunden zu decken. Mehrfach heißt es „Frag Fred“, den mit dem bunten Hemd in der Sailors Bar. Fred blieb ein Phantom und niemand hat ihn je wieder gesehen. Dann heißt es „Ask Andy“ auf Gomera. Ich dachte schon „und auf Hierro kommt Call Carl oder Talk to Tom“ oder sowas, aber zur Überraschung meldet sich am Telefon der Bayer Andy. Er macht uns ein Angebot, das wesentlich günstiger ist als die mit allen Schikanen ausgerüstete Firma im Gewerbegebiet in Las Palmas. Wir lassen gleich den Windgenerator aus Deutschland zu Andy nach Gomera einfliegen, damit er da ist, wenn wir ankommen. Das ganze ohne Mehrwertsteuer an „Yacht in Transit“. Auch die befürchtete 5%ige kanarische Importsteuer entfiel. Allerdings schlugen die Transportkosten mit 140 € zu Buche. Aber ohne Mwst. immer noch günstiger als in Deutschland. Größere Anschaffungen lohnen sich also, auf die Kanaren fliegen zu lassen. Erst später erfahren wir, das Andy auch der Trans-Ocean-Stützpunktleiter auf Gomera ist. Bei der Gelegenheit will Andy auch gleich ein Kutterstag anbringen und einige Mastarbeiten vornehmen (Maststufennieten austauschen, Navileuchten im Masttop gegen LED-Birnen tauschen), u.a.

Las Palmas cargo harbour

Las Palmas cargo harbour

Schon seit Portugal haben wir Makrolon für neue Fenster gesucht, weil unsere zwar keiner sind als heutzutage üblich und so eine geringere Angriffsfläche bieten, aber die Scheiben scheinen uns doch zu dünn zu sein. Ob sie nur aus Plexiglas (Acryl) sind, das zwar kratzfest ist aber in tausend spitze Scherben zerbricht, werden wir später feststellen. Nach langem Suchen und rumtelefonieren hatten wir schon aufgegeben. Telefonisch sollten wir eine ganze Platte von über 3 qm abnehmen, die weit über 1000 € gekostet hätte. Zufällig kommt John gerade schwer beladen von dem gleichen Laden, wo er Reststücke ergattern konnte. Wir also auch dorthin und genauso wie bei John bekommen wir von einem Mitarbeiter genau was wir brauchen, ebenfalls ohne Quittung, cash direkt in die Jackentasche und raus zur Hintertür.

Marina recption - camera on roof zooms close to each berth

Marina recption - camera on roof zooms close to each berth

Uns fällt auf, daß die Iren Eileen und Marc immer sofort herausfinden, wo es den Wochenmarkt gibt und daß wir immer gleich ein gutes Schwimmbad finden. So auch hier. Für 3 € können wir die Pools eines Fitnessclubs nutzen und sind dann auch öfter dort. Den täglichen Markt finden wir dann auch noch und sind ganz traurig, daß wir ihn nicht früher gefunden hatten. Phantastische Auswahl an frischem Obst, Gemüse und Fisch zu günstigen Preisen. Vieles davon einheimische Sorten, die nicht so steril künstlich aussehen wie die EU-genormten Dinge in deutschen Supermärkten. Die Mooringleinen entwickeln hohe Kräfte wenn sie bei Hochwasser die schweren Ketten vom Grund heben, an denen sie festgemacht sind. Deshalb ist ein Forcheeda-Ruckdämpfer in der Festmacherleine gerissen, obwohl schon nur zweimal gewickelt, also weniger als in der Anleitung angegeben. Nach La Coruna nun schon der zweite. War eh zu klein für unser schweres Schiff und dann bei Hochwasser sehr stark gespannt durch die schweren Ketten an den Mooringleinen. Dauerbelastung können sie wohl auch nicht ab. Franz hatte die gute Idee (und selbst so verwendet), einfach die stärksten Gummileinen mehrfach zu nehmen und in die Festmacher zu binden. Nach einem Check im Ausrüsterladen Kin Hogar kommt das aber noch teurer als ein Forcheeda Ruckdämpfer, wenn man den gleichen Gesamtdurchmesser haben will. Also werden wir einfach einen noch stärkeren Forcheeda besorgen, der hier aber doppelt so teuer ist wie in Festlandeuropa.

Cruising ships in Las Palmas

Cruising ships in Las Palmas

Ansonsten ist Las Palmas eine große Enttäuschung soweit es die häufig beschriebenen segelspezifischen Ausrüstungsmöglichkeiten angeht. Das gilt nur im Verglecih zu den anderen kanarischen Orten, nicht zum Festland. Die Nautik-Meile am Hafen sitzt wie die Made im Speck und ein Geschäft gibt schon automatisch auf alles 10%. In jedem französischen Segelort gibt es alles zu viel geringeren Preisen. Die Auswahl hier ist beschränkt und Arbeitskosten sehr hoch. Vieles wohl durch die ARC versaut. Ein guter Tipp ist allerdings der Volvo-Shop, der viel mehr als Motorzubehör hat. Was immer man braucht, zuerst mal hier fragen, auch wenn man es nicht gleich in der Auslage sieht. Z. B. die Gastflagge Cabo Verde, die bei Rolnautic 10 € kostet (minus 10%, haha) kriegt man hier für 4 €. Die Enttäuschung ist wieder ein Ergebnis von zu hohen Erwartungen und der bescheidenen Realität, allerdings hochgeschraubt durch wieder und wieder gehörte Stimmen aus Veröffentlichungen und von anderen Seglern.

Eine üble Überraschung entdecken wir erst am Ankerplatz vor Teneriffa. Das Wasser, das wir in Las Palmas getankt haben, ist leicht milchig, ein grauer Schleim setzt sich am Boden ab und ist auch nach Abkochen ungenießbar. Welch ein Unterschied zu dem späteren Gomera, wo das Wasser so klar ist, daß man bei bestem Willen kein Chlor riechen kann.

Sehr schlechte Internetverbindung

Desperate search for an internet connection

Desperate search for an internet connection

Eine weitere Enttäuschung ist, das der Hafen selbst keine Internetverbindung anbietet, sondern sich auf ein Restaurant und eine Bar verläßt, in die dann auch alle gleichzeitig eingeloggt sind und so die Bandbreite herunterschrauben. Dauernd wird man rausgeschmissen. Oft kommt gar keine Verbindung zustande. Einen Zusammenhang mit der Anzahl Benutzer kann man an der Tageszeit erkennen. Nachts geht es einfacher und schneller. Es sind wohl einige Segler dabei, die permanent Sachen runterladen per Filesharing. Einige kann man 24 Stunden online sehen. Ziemlich unsozial. Ohne unsere WLAN-Kanone wären wir total aufgeschmissen oder müßtem dauernd den Computer in die Bar schleppen.

Zeit wie im Fluge vergangen

Mit all den Beschaffungen, denen immer erst viel Recherche vorangehen mußte (ewiges Herumfragen und -suchen), und wegen der vielen Einladungen ist die Zeit wie im Fluge vergangen und wir haben es kein einziges Mal geschafft, die Insel zu erkunden. Eigentlich schade, aber noch in unserem Rahmen, der so abgesteckt war, daß wir Gran Canaria vor allem für letzte Ausrüstung und Besorgungen nutzen wollten. Das hat ja dann auch über Erwarten gut geklappt. Auch schade, daß wir Weihnachten und Sylvester hier verpaßt haben, die sehr schön gewesen sein sollen, anders als dort wo wir zu der Zeit waren, in Gran Tarajal auf Fuerteventura.

Dusk twilight - good bye Las Palmas

Dusk twilight - good bye Las Palmas

Wir hatten eine schöne Zeit besonders mit den Engländern Peter und John, den Österreichern Anna und Franz, den Iren Marc und Eileen, Peter und Margarete, Werner und Ellen, Harald und Uta

Ansonsten ist Las Palmas eine tolle Stadt mit vielen kleinen Geschäften, besonders nett die vielen kleinen Ferreterias mit tausend Dingen an allen Wänden und Decken. Auch die Liegegebühren gehören zu den günstigsten auf den ganzen Kanaren.

Leaving Las Palmas late - last view

Leaving Las Palmas late - last view

3 Wochen bevor Claudias Eltern uns besuchen kommen sind wir uns immer noch nicht im klaren, ob wir riskieren wollen vorher noch einen Abstecher nach La Palma zu machen. Wir wollen in jedem Fall mindestens eine Woche vor dem Besuch auf Gomera sein, um nicht wie die Chartersegler am Ende in schlechtes Wetter zu müssen. Beinahe wollen wir die gemeinsame Abreise mit Eileen und Marc auf der En Passant am festgelegten Tag schon abblasen. Nach akribischer Analyse der Wetterlage entschließen wir uns jedoch ganz kurzfristig doch loszufahren weil das nächste Wetterfenster erst in über einer Woche käme. Beruhigend auch Marcs Info per Funk, daß der angekündigte Schwell nicht vorhanden ist. Sie waren schon mittags losgefahren.

Gran Canaria behind - next morning´s dawn

Gran Canaria behind - next morning´s dawn

Gut, daß wir schon zwei Tage vorher seeklar waren, aber die sehr schnelle endgültige Entscheidung zur Abreise bringt doch noch etwas Hektik. Also Motor schon mal warmlaufen lassen, eilige aber herzliche Verabschiedung bei vielen unserer Stegnachbarn, mit denen wir soviel Spaß hatten, und ab geht es in die Nacht. Viel später als wir es normalerweise tun. Üblicherweise gehen wir nämlich viel früher raus, um erst in die Nacht zu kommen, wenn wir schon länger unterwegs sind. Nach so langer Zeit an Land, wenig Wind und einigermaßen Schwell ist uns beiden etwas übel, obwohl wir sonst fast nie seekrank werden. Der Wind ist schwach und NW, also bis zur Huk genau von vorn. Darum viel Zeit verloren an der Kreuz und kaum sind wir vor der Nordseite von Gran Canaria ist es ganz vorbei mit dem Wind. Marc und Eileen sind auf und davon und nicht mehr per Funk erreichbar.

Claudia. Anna, Franz, Harald and John (Thomas behind camera)

Claudia. Anna, Franz, Harald and John (Thomas behind camera)

Kurz vor der Nacht kommt noch ein lieber Byebye-Funkspruch von Anna und wir müssen eine lange Nacht mit wechselnden schwachen Winden bis Teneriffa über uns ergehen lassen bis die ersten Sonnenstrahlen zuerst die Spitze des Teide auf Teneriffa berühren.

Spectacular dawn light over Las Palmas senn from Teneriffe

Spectacular dawn light over Las Palmas seen from Teneriffe

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