La Gomera - eine tolle Zeit

Überfahrt von Teneriffa

Cliff silhouette above San Sebastian´s harbour

La Gomera, für uns das Ziel für eine lange Pause nach dem Zwischenstop vor Teneriffa. Einen ganzen Tag um jeden Meter Höhe gekämpft, erst durch die Düse im Süden Teneriffas, später im Westen noch schlimmer. Am Ende verlieren wir die Nerven und lassen die Maschine die Arbeit machen. Weil wir immer noch keinen Autopiloten installiert haben, also wieder ermüdendes Steuern von Hand. Wir wollen wieder mal nicht nachts in einem unbekannten Hafen ankommen und wollen artig südlich von San Sebastián in der Bucht von El Cabrito bis zum morgen ankern. 10 sm vorher kann man auch ein paar helle Lichter dort sehen, die aber bis zu unserer Ankunft nach 2 Stunden verschwunden sind. Wir tasten uns mit Schleichfahrt heran, aber das Echolot kann nichts anzeigen, weil es bis sehr nah an die Küste zu tief für ein Echo ist.

San Sebastian church

Wir sind bald rundherum von pechschwarzer Nacht umgeben und wissen ja, daß unser GPS und die Karten hier oft bis zu 100 m Unterschied zeigen und nicht sicher ist, daß die pechschwarze Wand vor uns die nahe Felswand oder nur Dunkelheit ist. Nach kurzem Blick in Ansteuerungskarte und Hafenführer entscheiden wir uns dann doch noch, in der Nacht direkt nach San Sebastián reinzufahren. Ist dann auch eine leichte Übung, bis auf die Flutlichtbeleuchtung, die extrem blendet. Wir legen am Anmeldepontoon an und haben keine Ahnung, wie es dann im Hellen aussieht. Am nächsten Morgen dann die tolle Überraschung. Der schönste Hafen bisher, umgeben von grünen Hügeln und direkt unter einem Kliff, auf dem das berühmte Parador liegt.

Valle Gran Rey from Mirador of Cesar Manrique

Wenn man La Gomera erwähnt, sagen viele Leute gleich, ach die Aussteigerinsel. Dort leben viele Hippies in Höhlen. Das war vielleicht in den 70er Jahren der Fall. Heutzutage ist La Gomera eine kleine beschauliche Insel, auf der sich der Massentourismus Gott sei Dank noch nicht so breit gemacht hat. Wie auch, wenn man erst von Teneriffa mit der Fähre anrauschen muß und nur wenige schwarze Strände vorhanden sind. Natürlich sieht man ab und zu noch ein paar Möchtegern-Hippies mit Dreadlocks, die in Grüppchen am Strand sitzen und sich trommelnderweise die Zeit vertreiben, die scheinbar nur ihre Großväter nachäffen. Die Mehrzahl der Menschen, die hier leben, sind aber ganz normale Einheimische, die mit dem Tourismus nicht viel am Hut haben. Oder aber Deutsche und Engländer, die sich schon vor vielen Jahren hier niedergelassen haben,

Northwest of Gomera

entweder, um ihren Ruhestand zu genießen oder sich einen Traum erfüllt und sich eine kleine Finca gekauft haben, auf der sie einigermaßen autark leben. Der meiste Tourismus auf La Gomera spielt sich im Valle Gran Rey ab. Zwar noch kein Massentourismus wie auf Lanzarote oder Fuerteventura, aber doch findet man hier eine größere Anzahl an Ferienwohnungen, Bars und Restaurants. Auch scheinen sich hier sehr viele Reiche niedergelassen zu haben, das Tal wird gesäumt von vielen prächtigen Häusern. Abgesehen von der Lage hatte der künstliche Ort für uns aber keinen besonderen Reiz.


San Sebastián

Torre del Conde in San Sebastian´s park

Der Hafen von San Sebastián, der Hauptstadt Gomeras, liegt vor einer traumhaft schönen Kulisse. Ringsum hohe grüne Berge, mit vereinzelten, hochgewachsenen Palmen. Direkt vor dem Hafen ist der „Plaza de las Americas“, auf dem für alle möglichen Festivitäten ein Gerüst schon fest installiert ist. Mitten auf dem Platz stehen mehrere riesige, sehr alte Drachenbäume, deren Blätterdach völlig dicht ist und den ganzen Platz abschattet. San Sebastián selbst ist ein kleiner, beschaulicher Ort mit ungefähr 7000 Einwohnern. Mittwochs und Samstags gibt es einen kleinen Markt am Busbahnhof, der für uns aber eher enttäuschend war, verglichen mit den großen Märkten in Las Palmas auf Gran Canaria. Ein großer Renner auf dem Markt waren immer die Brote und Gebäckstücke einer Schweizerin, die sich vor Jahren auf der Insel niedergelassen hat.

Es gibt sogar ein Auditorium in der Stadt, das als Kino und Konzerthalle dient. Bei unserem zweiten Aufenthalt auf Gomera (nach drei Wochen La Palma) besuchten wir eine „Zarzuela“, ein spanisches Singspiel. Das Auditorium war erstaunlich groß und modern. Wir saßen auf dem Balkon und hatten einen guten Rundumblick. Vor uns baute sich ein großes Blasorchester mit ca. 70 Bläsern auf: von Oboen über Klarinetten, Querflöten, Hörnern bis hin zu Trompeten war alles vorhanden. Wie auch alle Altersgruppen von 12 bis 70 Jahren. Ein bunt gemischtes Orchester. Das Orchester spielte sehr gut. Wie lange war es her, dass wir in einem Konzert waren? Es war auf jeden Fall ein sehr schöner Abend.

Club Nautico offers special sailor arrangements

In San Sebastian gibt es auch ein Schwimmbad, das zum Club Náutico gehört. Als Segler bekommt man ein paar Prozente und wir kauften gleich eine Monatskarte, die viel billiger war als jeweils eine Einzelkarte. Der Club ist schon etwas in die Jahre gekommen. Die Farbe vom Basketball- und Tennisplatz war an manchen Stellen schon abgeplatzt, die Markierungen konnte man zum Teil nicht mehr genau erkennen. Aber für uns spielte das keine Rolle, wollten wir nur das 25 m-Becken nutzen. Das Wasser war sehr kalt (gefühlte 18° C), und es kostete uns immer Überwindung, hineinzugehen. Manchmal saßen wir zum Aufwärmen in der Sonne, aber der Wind war so kalt, dass wir keine Lust mehr auf Abfrischung hatten. Aber wenn man mal drinnen war, tat das Wasser gut und man musste mehr reinhauen, damit einem warm wurde, und Thomas nahm dann einfach seinen kurzen Neoprenanzug. Der Club selbst war ein in den Fels gehauenes Gebäude mit nettem Ambiente. Im Winter war allerdings nicht so viel los im Schwimmbad, den Einheimischen ist es noch zu kalt. Mehr Bilder über San Sebastián gibt´s hier.


Seglerbekanntschaften

Bärbel & Dieter - SY Asgard

Es gibt hier deutlich mehr Segler, die hier hängen geblieben sind, als woanders, aus zwei Gründen: einmal, weil es hier einfach schön ist. So habeNorthwest of Gomeran sich David und Tessa, englische Pensionäre, die in die Karibik wollten, in die Insel verliebt und sich hier ein Haus gekauft und fahren nicht mehr weiter (”The problem with Gomera is, that you won´t find many more beautiful places”). Zum anderen, weil man von hier nicht weiter Insel-Hopping machen kann, sondern das nächste ist die Karibik oder die Kapverden. Mehr und mehr Leute sprechen heute davon, auch nach Madeira oder zu den Azoren zu wollen. Erlebt haben wir das aber noch nicht. Das führt dann zu dem für uns etwas unschönen Gebaren wie in der Reihenhaussiedlung. Schön, daß Nachbarn auf das Schiff aufpassen, nicht so schön, daß Klatsch und Tratsch weit verbreitet sind. Aber vielleicht liegt es auch daran, daß alle, die den Race-Track in die Karibik nehmen, schon lange weg sind und nur noch ab und zu mal ein paar neue Gesichter kommen. Dieter und Bärbel hatten riesiges Glück im Unglück. Sie konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterfahren und wollten das Segeln ganz an den Nagel hängen, nur, wie, wenn man dann ein Boot an der Backe hat. Rein zufällig lebt aber der Werftbesitzer ihrer Sirius auf Gomera und organisiert den Verkauf ihres Bootes zu anständigem Preis. In dem Rahmen übernehmen wir noch ein paar ihrer Bilgevorräte und jede Menge Lesestoff. Hier noch mal ein Dankeschön an die beiden.

Manfreds 60ster Geburtstag

Manfred´s 60th birthday - clockwise: Claudia, Andrea, Andi, Karl-Heinz, Elli, Gudrun, Birgit, Dieter, Bärbel, Reiner, Manfred, Thomas photographing

Bei Dieter und Bärbel lernen wir auch Manfred und Gudrun kennen, mit denen wir einige schöne Abende hatten, nicht zuletzt Manfreds 60sten Geburtstag mit dem Grill von Andy. Andy und Andrea (TO-Stützpunkt) machen auch sonst regelmäßig Grillparties und wir konnten das einmal erleben. Ein interessantes Boot ist ein französisches, das ein Schwesterschiff der berühmten Joshua von dem Einhandsegler Moitessier ist (”Der logische Weg”), natürlich auch mit “Franzosenblase”. Habe aber nie verstanden, warum der so berühmt ist. Hat schließlich zwei seiner Boote versenkt, weil er gepennt oder falsch navigiert hat. Ein anderer Segler, der uns die Sprache verschlägt, war der junge Engländer Trevor, der es mit seinem 6,5-Meter-Bötchen von England hierher geschafft hat, total abgebrannt war, unterwegs im Sturm alle Segel zerfetzt bekam und wegen Ruderbruchs mitten auf dem Atlantik zur Reparatur ins Wasser mußte. Sagenhaft! Immerhin hat er ein Fahrrad an Deck, das wir nicht haben und hat eine Weile statt Segel sein Dinghy hochgezogen. Er sagt, damit hätte er immer noch vier Knoten gemacht. Wow!

Hiking break

Meine Eltern kamen zu Besuch, und wir sind extra schon zwei Wochen früher eingetrudelt, damit ja nichts wegen technischer Dinge oder schlechtem Wetter noch schief geht. Wir erkundeten vorab schon einmal die Insel, suchten schöne Wanderungen aus, damit wir nicht erst noch nach Ankunft der Eltern überlegen müssen, wohin es jeden Tag gehen soll. Eine Woche ist ja doch sehr kurz.  Mit einem guten Wanderbuch bewaffnet ging´s also dann meistens mit dem Bus auf Entdeckungstour. Wenn man von den Inseln Lanzarote und Fuerteventura kommt, bietet Gomera einen tollen Kontrast: Grün, viele verschiedene Vegetationen, Lorbeerwald, der auch Nebelwald genannt wird, da er des öfteren von Nebel eingehüllt ist, Palmen, Bananenstauden. Jede Ecke der Insel bietet ein neues Bild. Besonders gut gefallen hat uns der Nordwesten mit Vallehermoso und Hermigua. Dort gibt es sehr schöne Wanderwege mit wilder VegetatiOlad on. Das wirklich Ärgerliche hier ist, daß die Buslinien nur zwischen 10 und 16 Uhr fahren und das schon für kurze Wanderungen zu wenig ist. Jetzt sollte man meinen,

Cesar Manrique´s Mirador above Valle Gran Rey

daß sich die Taxifahrer die Hände reiben und sich ab 16 Uhr ins Geschäft stürzen. Weit gefehlt, die fahren auch nur bis 16 Uhr. Wir sind sprachlos. Zweimal versuchen wir es per Anhalter. Beide Male hält der erste Wagen. Einmal ein Canario, der von der Arbeit kommt und gesteht, daß er die Schönheit der Insel nicht mehr sieht und ihm die vielen Kurven auf dem Heimweg auf die Nerven gehen. Ein anderes Mal der Norweger Olaf, der nur für einen Tag von seinem Teneriffa-Urlaub herübergekommen ist. Er will unbedingt unser Schiff sehen, bevor die Fähre geht. Die ist ja gleich nebenan und sei von Teneriffa auch viel später als geplant abgefahren. Während er sich bei uns an Bord

Eileen and Marc hiking with us

verabschiedet, ertönt schon das laute Horn der Fähre und wir wissen, daß es zu spät ist. Er muß also heute auf Gomera bleiben und kann erst morgen wieder nach Teneriffa zurück. Nachdem er das Chaos bei uns an Bord gesehen hat, sucht er sich lieber ein kleines Hotel im Ort und wir gehen noch zusammen essen und für ein paar Drinks aus.

Mit Mark und Eileen, unseren irischen Freunden, leihten wir uns ein Auto aus und machten nach einer langen und spektakulären Wanderung eine Rundfahrt über die Insel. Gerade im Westen wird es steil und wild, die Straße schlängelt sich in Serpentinen durch die oft unbewohnte Landschaft. Kurz vor Valle Gran Rey liegt der Mirador, von César Manrique entworfen. Von dort hat man einen atemberaubenden Blick ins Tal von Valle Gran Rey, das Restaurant liegt direkt am Abhang. In der Dämmerung ging´s durch den Nebelwald zurück, der seinem Namen alle Ehre machte: neblig, unheimlich. Armer Thomas, der sich am Lenkrad abmühte, nicht von der Straße abzukommen.


Elternbesuch

Great view down from the Parador

Dann war es soweit: Die Ankunft meiner Eltern. Sie kamen mit der letzten Fähre aus Teneriffa. Fast ein Jahr lang habe ich sie nicht mehr gesehen. Und wie ich mich freute! Ob sie sich sehr verändert haben? Nein, als sie auf die Rampe kamen, haben wir sie sofort wieder erkannt. Mit dem Hotelbus ging´s zusammen zum Parador, dem schönsten und exklusivsten Hotel in San Sebastián, wo meine Eltern eine Woche gebucht hatten. Wir hatten uns zuvor schon einmal das Hotel angeschaut. Auch für Nicht-Gäste gibt es die Möglichkeit, das Hotel zu besuchen. Das Hotel ist schon sehr alt, Columbus hat hier vor hunderten von Jahren des öfteren genächtigt. Stilvoll eingericht, überall Dielenboden,der ab und zu knarzt. Ein wunderschön angelegter Garten mit Blick aufs Meer und hinüber zum Teide auf Teneriffa, der im Februar noch schneebedeckt war.

Claudia and her parents ...

Viele kleine Bänke und Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein. Ein Swimming Pool, bei dem die Wasserlinie mit dem Ozean verschmilzt. Wir waren sehr angetan von diesem Hotel und es ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Das Hotel liegt auf einer hohen Klippe, über dem Hafen von San Sebastián. Von oben konnte man unser Schiff sehen.

Nach der Ankunft meiner Eltern ging´s erst einmal in die Hotelbar. Bei mehreren Gläschen Wein wurden die ganzen Neuigkeiten ausgetauscht, nach so langer Zeit gab´s ja viel zu erzählen. Und für uns gab´s viel Post, die sich in der letzten Zeit bei meinen Eltern aufgestaut hatte. Am nächsten Morgen ging´s gleich früh los. Für uns noch etwas ungewohnt, da wir morgens sonst ausschlafen konnten. Aber die kurze Zeit will gut genutzt werden. Wir machten jeden Tag einen Ausflug, erkundeten zusammen die Insel, auch wir sahen immer wieder was Neues, die Insel ist einfach unerschöpflich. Abends kochten wir entweder an Bord oder gingen aus essen. So erhielten meine Eltern auch einmal einen Einblick in unseren “Bordalltag”. Wir verbrachten eine sehr schöne Zeit zusammen.

... hiking every day

Aber wie immer verflog die Zeit wie im Flug. Und aus geplanten 6 Tagen wurden plötzlich nur 5, da meine Eltern schon einen Tag vor Abreise nach Teneriffa mußten, da der Rückflug um 08:00 Uhr morgens ging und so früh noch keine Fähre von Gomera nach Teneriffa ging. Das war etwas ärgerlich, da der Reiserveranstalter ihnen davon vorher nichts gesagt hatte. Der Abschied fiel sehr schwer, da wir ja nicht wissen, wann wir uns wiedersehen und die Distanzen nach Europa immer länger werden. Die Bilder sind aber eine schöne Erinnerung. Mehr Bilder aus der Zeit gibt´s hier.


Verschwendetes EU-Steuergeld

Needless airport ...

Von einem Frankfurter erhielten wir den Tipp, uns doch mal den neuen Flughafen von Gomera anzusehen, er wäre wirklich sehenswert. Also gondelten wir nach einem Abstecher in Playa Santiago dorthin. Pro Tag gibt es zwei Flüge, und zwar nach Teneriffa, jedoch Teneriffa nord (der Flughafen liegt in Teneriffa süd) und Gran Canaria. Klar, dass nicht nur ein Teil der Einheimischen gegen dieses Projekt war, der gegen Pauschaltourismus ist, sondern auch manch Fährgesellschaft, die einen Verkaufseinbruch bei den Tickets befürchtete. Angesichts der geringen Flugfrequenz erwarteten wir einen kleinen Flughafen. Als wir zum Flughafen kamen,

... with olny 2 internal flight a day ...

trauten wir unseren Augen nicht. Sage und schreibe zwei Terminals (!), eine riesig große Empfangshalle mit Marmorboden und Springbrunnen, 4 (!) besetzte kleine Holzhäuschen für Autovermieter (wer soll all diese Autos mieten?), und, und, und. Alles gesponsert von EU-Geldern.

... wasting EU money.

Da fragt man sich schon, ob das Geld nicht hätte besser verwendet werden können. Das ist wirklich Geldverschwendung und macht einen richtig ärgerlich.


Karneval in San Sebastián

Carnaval in San Sebastián ...

Als wir in San Sebastián festgemacht hatten, war gerade Karnevalszeit. Überall auf den übrigen Inseln wurde der Karneval schon groß angekündigt. Auf Teneriffa gibt es angeblich den längsten Faschingsumzug der Welt. Und hier auf Gomera? Was wird diese kleine Insel wohl zu bieten haben? Wird wohl etwas beschaulicher zugehen. Aber denkste. Auch hier gab es einen Faschingsumzug, zwar nicht den längsten der Welt, aber immerhin gab es einige lustige Verkleidungen. Jeden Abend war groß Party angesagt, auf der Plaza de las Americas spielten live-Bands,

die Salsa-Musik drang bis in die späten Morgenstunden aus den Boxen, so dass ohne Oropax sowieso nicht an Schlaf zu denken war. Einmal sind Thomas und ich noch um 01:00 Uhr morgens aufgebrochen, da wir nicht schlafen konnten, und haben uns bis in die frühen Morgenstunden in die Menge gemischt. Dabei trafen wir noch Manfred und Gudrun von der Schiwa, die nur kurz “zuhause” waren und sich gleich darauf wieder auf die Tanzfläche stürzten. John, den wir schon seit Las Palmas kennen, und der bald Richtung Kapverden abreisen wollte, war mit seiner Crew auch dort.

... 5 days party ...

Er wunderte sich nur, wie friedlich und fröhlich es hier abging und meinte, in England hätte es schon jede MengeRaufereien gegeben. Hier aber nur Fröhlichkiet, phantasievolle Kostüme und alles auf den Beinen von jung bis alt. Was für ein Tumult! Es schien, als wäre die ganze Insel auf den Beinen, es wurden fleißig die Hüften zur Salsa-Musik geschwungen. Eine tolle Stimmung für diese kleine Insel. Das ganze Spektakel endete mit der „Beerdigung der Sardine“. Wieder ging ein Umzug durch die Stadt, dieses Mal spielten die Hauptrolle jedoch Witwen, unter ihnen auffallend viele Männer, die sich als Witwen verkleidet hatten und schreiend hinter der Sardine hergingen. Am Strand angekommen, wurde die Sardine verbrannt. Riesige Flammen stiegen am Himmel empor, man durfte nur nicht im Wind stehen, sonst wurde es etwas heiß. Danach wieder eine lange Nacht mit lauter Salsa-Musik, insgesamt fünf Tage lang. Die Irin Mary-Ann fand, daß die Einheimischen soviel auf die Beine stellen und wir doch auch etwas dazu beitragen sollten. Und immerhin schaffte sie es, daß über ein Dutzend Yachten im Hafen über die Toppen geflaggt werden, dabei auch wir. Weil wir aber nur vier Fallen haben, ein Vorfall für den Rollfockschlitten fest belegt ist und das andere Vorfall für die Genuapersenning auch, können wir nur zwei Flaggleinen von achtern zeigen. Wir werden auch mehrfach darauf angesprochen.

... and crying widows ...

... burning the sardine ...

Wie man sieht, hat diese kleine Insel doch einiges zu bieten. Aber natürlich ist sie nichts für Pauschaltouris, die nur Discos und Strände ohne Ende suchen. Sie ist eher was für Wandertouristen, die auch etwas abgeschieden eine schöne Natur erleben wollen. Insofern ist La Gomera auch relativ unberührt von der aktuellen Rezession. Umso verwunderter sind wir allerdings, daß viele der Segler hier schon mehrere Monate hier sind, aber ganz selten wandern waren.


Letzte Schraubereien

Andi´s "goal posts" ...

Unser weiter Aufenthalt auf Gomera war dann ungeplant und eigentlich hätten wir schon lange auf den Kapverden sein wollen. Doch dieser Aufenthalt war noch ein paar Ausrüstungsdingen am Schiff gewidmet. Hatte bisher der Trans-Ocean-Stützpunktleiter Andy schon einen guten Schweißjob mit unserem Geräteträger gemacht, brauchten wir nun ein genau passendes Mastrohr. Nach kurzer Korrespondenz mit dem Windgeneratorhersteller von La Palma aus hatten wir eine Lösung, die sich dann in Gomera aber als ungenügend herausstellte. Also wieder Frust, warten, herumlaufen, bis uns Werner aus Greifswald anbietet, doch ein Rohr von seinen Davits zu nehmen, das er nicht mehr braucht. Und siehe da, aller Groll verschwindet. Thomas hat dann noch drei Tage damit zu tun, den Windgenerator anzuschließen, fast durch das halbe Schiff. Der Stopschalter ins Schaltpanel zu dem ganzen anderen Elektronikkram. Der Regler wegen des Temperatursensors zu den Batterien. Die Shuntwiderstände an eine trockene aber gut belüftete Stelle. Dazu Sicherungen, diese aber nicht in den Batterieraum, weil diese bei Überladung Wasserstoff abgeben könnten, das aus naheliegenden Gründen ja auch Knallgas genannt wird. Und das ganze aber mit kürzestmöglichen Leitungen. Ohne Manfreds Crimpzange wäre es auch nicht so leicht gewesen.

Eine letzte Probefahrt ist ein voller Erfolg für die neue Windsteuerung. Nicht wirklich neu, aber durch eine andere Führungskonstruktion der Steuerstrippen ist endlich das Cockpit frei und wir können die ganze Länge auf beiden Seiten verwenden, ohne daß sie durch die Leinen versperrt sind. Auch der Autopilot macht seinen Job perfekt, jedenfalls unter Segel. Der billigste Pinnenpilot arbeitet ohne Kraftafwand direkt auf die Windfahnenhalterung und wenn er verreckt, kostet ein Ersatz kein Vermögen. Nur unter Motor haben wir weiterhin das Problem, daß das Pendelruder im Schraubenstrom nicht auf die (elektrische) Windfahne reagiert.

Sogar den Masttopbeschlag für unser Kutterstag hat Werner hingekriegt. Nur zur Befestigung in den Mast wollte keiner mehr. Thomas hat sich mittlerweile daran gewöhnt, 13 m über Deck zu arbeiten, aber nur, wenn er sich mit einer Hand sichern kann, trotz Maststufen. An die übliche Art, im Bootsmannsstuhl frei hängend zu sitzen, kann er sich  icht gewöhnen. Und die 30 Nieten würden eine lange Schaukelei bedeuten. Naja, vielleicht wiord es ja in Brasilien was.

Beschaffungswüste

... and Werner´s wind generator mast.

Viel Zeit geht bei solchen Projekten einfach schon drauf bei den ganzen Besorgungen. Man stelle sich vor, es gibt auf der ganzen Insel keine Drehbank oder jemanden, der ein Rohr biegen kann. Ein guter Akkuschrauber, eine Druckerpatrone, und vieles andere, das zuhause in München nur 10 Minuten zum Besorgen braucht, ist hier ein mittelgroßes Logistikprojekt. Als endlich der Schalter von Kurzschluß-Stop auf ON geschalttet wird und draußen die drei Flügel des Windgenerators ein leises Sirren anfangen und das Amperemeter ein Pluszeichen zeigt, macht Thomas eine Flasche auf obwohl es ihm nach der Grillparty bei Andy am Vortag noch nicht so gut geht. Unsere Sorge, daß wir uns auch so eine Sirene wie die Airmarine-Generatoren aufs Dach gestellt haben, ist unbegründet. Es gibt sogar höherere Drehzahlbereiche, wo das Geräusch wieder leiser wird.

Wir haben leider zum wiederholten Male auf die harte Tour lernen müssen, daß alle, wirklich alle Besorgungen unterwegs viel aufwendiger oder teurer oder beides waren als Dinge noch vor der Abfahrt in Deutschland machen zu lassen. Allerdings wollten wir erst mal ein paar Monate schauen, wie sich unser Energiebedarf so entwickelt und was man mit den Solarzellen und sporadischem Motoren so anstellen kann. Es hätte ja auch sein können, daß wir ins Mittelmeer fahren, wo es keinen Wind gibt, aber viel Sonne. Heute müssen wir ganz klar sagen, daß allein unsere PCs, die oft sogar gleichzeitig laufen, so viel Strom brauchen, daß wir das mit unseren Solarzellen nicht hinkriegen. Wir fahren zwei ältere Modelle spazieren, die einen so schlechten Wirkungsgrad haben, daß eine Viertelstunde Motoren pro Woche das gleiche bringt. Wie denn auch, wenn meistens irgendwelche Strippen oder Segel oder Wolken die wenigen Tageslichtstunden mit hoher Sonne noch mehr verdunkeln.

Adios Europa

In den letzten Tagen kommen noch viele Freunde und Bekannte auf einen Schnack vorbei nachdem sich rumgesprochen hat, daß wir endlich den Abflug nach Süden machen. Die Wetterlage ist phantastisch, zwischen 4 und 6 Beaufort Nordostpassat, nach Süden hin abnehmend, mit riesigem und stabilem Azorenhoch. Schon eine ganze Weile werden die wie auf der Perlenschnur aufgereihten von den USA kommenden Tiefdruckgebiete nach Norden wegdrückt und das geht noch mindestens eine Woche so weiter. Das sollte reichen, um ungeschoren auf den Kapverden anzukommen.

2 Responses to “ La Gomera - eine tolle Zeit ”

  1. Vielen Dank für Eure schöne Seite über Gomera.Eine frohe Reise wünsche ich Euch in Kapverden Inseln.Liebe Grüsse von Francisco aus La Coruña.

  2. Liebe Claudia, lieber Thomas
    endlich erhalte ich von Euch Logbuch-Po@ten, weltiche Eindrücke, auf die ich schon lange gehofft hatte.
    Hurra, ihr seit wohl auf!
    Ich nehme mir noch die nötige Zeit, um all Eure Impressionen genauer zu betrachten;bin aber jetzt schon tief beeindruckt, sozusagen ” mariniert”.
    Die herzlichsten Grüsse
    Helge

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