La Palma - hiking paradise
Wow, was für eine Insel! Wir waren von La Gomera schon verwöhnt, aber La Palma ist noch eine Steigerung: Urwald, Kiefern- und Lorbeerw
älder, Vulkanlandschaften und vor allem im Westen Bananenplantagen, so weit das Auge reicht. Vielfältiger kann die Vegetation auf so begrenzter Fläche gar nicht sein. Die Fahrt von La Gomera nach La Palma war sehr ungemütlich. Wir sind mittags von La Gomera aufgebrochen, wohl wissend, dass wir die Nacht durchfahren, wie so oft auf den Kanaren. Wir fuhren hart am Wind. Zunächst Windstärke 4, in der Nacht frischte es teilweise auf 6 auf. Wir hatten wenig Schwell, aber trotzdem war es doch sehr ruppig. Als wir die Südspitze von La Palma erreichten, und auf der Westseite der Insel weiterfuhren, hatten wir durch die Landabdeckung überhaupt keinen Wind mehr und mußten den Motor anschmeissen. Wir waren froh, in der Früh
im Hafen von Tazacorte anzukommen. Nach Nachtfahrten, wo man nicht in seinen Rhythmus kommt und oft „durchmacht“, sind wir immer total erschöpft und brauchen 1-2 Tage Erholung. Dafür war der Puerto de Tazacorte ideal: sehr ruhig gelegen, am Ausläufer der Caldera-Schlucht, kaum Schwell, kaum Lärm, ein paar Touristen, die auf der Mole entlang schlendern. Und, wie sich später herausstellte, war Tazacorte auch ein guter Ausgangspunkt für viele unserer Wanderungen. Im Hafen lagen hauptsächlich lokale Motor- und Fischerboote, es gab kaum Platz für Besucheryachten. Aber wir hatten Glück und konnten einen der letzten Plätze ergattern. Der Hafenmeister war sehr nett und hat uns beim „Einparken“ neben einem Luxusmotorboot geholfen (Puh, da kommt man immer ins Schwitzen). Anfangs kamen
wir noch in den Genuss der günstigen Liegeplatzgebühren, wie so oft bei den öffentlich betriebenen Häfen auf den Kanaren. Aber leider wurde der Hafen genau bei unserer Ankuft privatisiert, und schwupps wurden die Preise gleich um 100% erhöht, was den lokalen Dauerliegern überhaupt nicht gefiel und diese gleich zu Protestaktionen aufriefen. Am nächsten Tag war plötzlich ein Drittel der im Hafen liegenden Motorboote mit einem Schild „se vende“ (zu verkaufen) versehen. Natürlich waren sie nicht wirklich zum Verkauf, aber die Leute wollten damit ihren Unmut ausdrücken. Und es hat auch etwas gebracht. In einer kurzfristig einberufenen Versammlung wurde beschlossen, die Preise bis Ende des Jahres nur moderat und nicht gleich um 100% anzuheben. Man darf gespannt sein, wie sich der Hafen entwickelt.
Gleich in der Nähe des Hafens liegt der kleine Ort „Puerto de Tazacorte“. Der Ort hat sich sehr dem Tourismus angepasst. Überall kleine Restaurants und Cafés. Der kleine schwarze Sandstrand lädt zum Baden ein, heizt sich aber brutal auf, wenn die Sonne voll draufknallt, so dass man
ohne Schuhe nicht darauf gehen kann. Wie so oft auch hier eine riesengroße Bauruine, die wohl schon seit Jahren vor sich hinbröckelt. Ein großes Schwimmareal sollte auf dem Platz vor dem Örtchen entstehen, aber das Geld hat wohl nicht gereicht und so bleibt es jetzt halb fertig stehen. Es sieht schon etwas spacey aus. Und wie überall auf den Kanaren ist auch hier die zweite Hauptsprache deutsch. In den Läden gibt es große Zeitungsständer mit allen möglichen deutschen Zeitungen. Auch auf den vielen Wanderungen wer
den wir statt mit einem „Hola“ mit einem „Hallo“; einmal sogar mit „Grüß Gott“ begrüßt. Als wären wir in Deutschland. Etwas weiter nördlich von Puerto de Tazacorte liegt der Ort Tazacorte, zu Fuß in ca. 20 min. zu erreichen. Ein sehr kleiner und eher unspektakulärer Ort, sieht man von der Farbenvielfalt der Häuschen ab. Wie meinte eine Bekannte so nett, man hat den Eindruck, die Einheimischen waren high, als sie die Fassaden strichen. Sieht das Ayuntamiento (Rathaus) nicht putzig aus:-). Und wie wir später erfuhren, gibt es in Tazacorte ein brandneues Freibad. Aufwendigst bearbeitet, mit kleinen Mosaiksteinchen, in der Mitte des Schwimmbeckens wohl das Stadtwappen. Auch wenn die Arbeitslosigkeit in Tazacorte sehr hoch ist (laut einem Zeitungsartikel 40%), war das Schwimmbad nur von Donnerstags bis Sonntags, jeweils zwei Stunden am Vormittag und zwei am Nachmittag geöffnet. Bislang wird das Schwimmbad nicht so sehr von Einheimischen angenommen, aber vielleicht ändert sich das ja noch. Für uns aber mal wieder ideal, um etwas Sport zu treiben, auch wenn das Wasser etwas kalt war (ca. 18°C).
Will man größere Einkä
ufe tätigen, muss man nach Los Llanos, die geheime Hauptstadt der Insel. Mit ca. 20.000 Einwohnern ist sie auch die größte Stadt auf La Palma. Es gibt hier eine nette Fußgängerzone und einige Geschäfte, aber ansonsten hat die Stadt nicht so viel zu bieten. Hier ist auch der große Busbahnhof, Knotenpunkt für verschiedene Anlaufstellen. Von hier aus kann man prima in die Caldera „einsteigen“, in ca. 1 Stunde ist man am Fuß des Barranco de las Angustias (Angstschlucht) angekommen. Im Vergleich zu La Gomera hat La Palma ein super Bussystem, die Busse fahren zum Teil noch bis 23:00 Uhr nachts (von den Hauptverkehrsknoten Los Llanos und Santa Cruz). Für große Wanderungen also bestens geeignet und man muss ich um die Rückkehr keine Gedanken machen. Einige der größeren Wanderungen können nur mit dem Auto erreicht werden oder man muss ein Teilstück mit dem Taxi fahren, aber das hält sich in Grenzen. Vor einer langen Wanderung fragten wir den Busfahrer nach der besten Haltestelle für den Einstieg in die Route. Er schaute ganz entgeistert, weil es ja noch dunkel war. Wir hatten aber mindestens 12 Stunden vor uns und wollten nicht zu spät sein. Darüber, daß morgens vor 7:00 Uhr schon alle Bars gerammelt voll waren, hat er sich wohl nicht gewundert.
Auf der Ostseite der Insel liegt die Hauptstadt Santa Cruz, ein kleiner schnuckeliger Ort mit schöner Einkaufspassage. Eigentlich wollten wir noch ein paar Tage in Santa Cruz verbringen und unser Schiff dorthin verlegen. Aber als wir den Schwell im Hafen sahen (bei absolut ruhigem Wetter), überlegten wir es uns anders. Der Hafen wurde erst vor kurzem neu gebaut, bei der Konzeption aber nicht daran gedacht, dass die Wellen in einem
rechteckigen Becken an den Wänden reflektieren und so hin- und herschwanken. Dadurch entsteht ein immerwährender Schwell im Hafen. Ich hab den Hafenmeister darauf angesprochen und er meinte ganz kleinlaut, dass eine der Hafenmauern wieder abgerissen und durch einen Strand ersetzt wird, damit die Wellen auslaufen können. Also für uns keine ernstzunehmende Alternative. Das ganze Material, besonders die Festmacherleinen leiden unter diesen ruckartigen Bewegungen und wir haben schon in früheren Häfen ein paar Leinen kaputtgemacht, was eine teure Angelegenheit ist. Und billig war der Hafen auch nicht gerade.
Bezogen auf die Grundfläche ist La Palma die steilste Insel der Welt. Der höchste Berg der Insel, Roque de los muchachos, ist über 2.400 m hoch. Bei vielen Wanderungen kommt man locker auf über 1.000 m Höhenunterschied. Gut, dass wir auf La Gomera unsere Seglerbeine schon warmgelaufen haben, sonst hätten wir einige Schwierigkeiten gehabt. Wir genossen dieses Wanderparadies und konnten uns an der vielseitigen Vegetation gar nicht sattsehen. Zu den Höhepunkten gehörte natürlich die Caldera, einer der größten Kraterkessel der Welt, umgeben von hohen Felswänden. Über den Barranco de las Angustias hat man einen guten Einstieg in die Caldera. Stundenlang konnte man im Bachbett des Barrancos laufen, etwas mühsam, da man das Bachbett öfter queren und über Steine hüpfen musste, aber umso schöner die vielen Bademöglichkeiten in den Gumpen. Auch wir waren mutig und sprangen am Ende in eine der Gumpen. Wie erfrischend! Erinnerte mich an die Rotwand-Wanderung in den Alpen, auf der wir uns auf dem Rückweg auch immer in den schönen Gumpen erfrischten, leider oft ziemlich bevölkert.
Die Krönung unseres Aufenthaltes war die Vulkanwanderung „ruta de los volcanos“: Über den Grat entlang ging es über mehrere Vulkane. Die Landschaft wechselte von Kiefernwäldern, die sich an die karge Landschaft angepasst haben, über fruchtloses Land, von den Einheimischen „malpaís“ (schlechtes Land) genannt. Hier wachsen nur ein paar kleine Büsche, sonst nichts. Normalerweise bietet die Wanderung einen atemberaubenden Blick in die Caldera, und, wenn man Glück hat, sieht man auch die Nachbarinseln El Hierro und La Gomera. Leider hatten wir nicht so viel Glück, wir waren eingehüllt von Nebel. Aber auch dies hatte seinen Effekt. Der Nebel bot eine ganz besondere Stimmung. Verlaufen konnte man sich nicht, da die Wanderwege alle mit Steinen eingerahmt waren, viel Arbeit, aber wohl schon in weiser Voraussicht und billiger, als ständig Vermisste suchen zu müssen. Diese Wanderung ist ein muss, wenn man auf La Palma ist!
Fast jeden zweiten Tag machten wir eine Wanderung, mal eine größere, mal eine kleinere. Und so verging die Zeit wieder wie im Flug. Aus geplanten 2 Wochen wurden dann wieder 3. Aber gut, nachdem wir nicht in die Karibik, sondern nach Brasilien wollen, haben wir nicht mehr diesen Zeitdruck. Und die Erholung tat uns sehr gut. Auch konnten wir mal das Schiff Schiff sein lassen und nicht jeden Tag daran denken, was wir noch alles zu erledigen haben. Nachdem die Einkaufsmöglichkeiten auf La Palma besser und billiger als auf La Gomera sind, haben wir schon einmal die wichtigsten Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Konservendosen, etc., gebunkert. Die frischen Sachen wie Obst und Gemüse kommen zuletzt. Schön war auch, dass wir Mark und Eileen, unsere irischen Freunde, wieder getroffen haben. Nach einem kurzen Aufenthalt auf El Hierro sind sie nach La Palma gekommen. Auch wenn sie etwas mehr Zweisamkeit wollten, nachdem sie die letzte Zeit so viel Besuch hatten, gab es doch den ein oder anderen netten Abend zusammen.
An unserem vorletzten Abend wurden wir von unserem Nachbarn, einem Einheimischen, auf sein Luxusmotorboot eingeladen. Ein 50 Fuß großes Motorboot (960 PS!) mit allem Schnickschnack (mehrere Bäder und Kojen, frei begehbares Kingsize-Bett). Er benutzt das Motorboot nicht allzu oft, nur bei schönem Wetter oder wenn er mal zum Abendessen nach La Gomera fahren will (in 2 Stunden!). Schon imposant, aber nichts für uns. Man hatte Angst, sich irgendwo hinzusetzen (weisse Polsterbezüge), oder etwas anzufassen. Wir tranken guten Wein und wurden mit allen möglichen Köstlichkeiten versorgt. Eileen spielte Gitarre und sang ein paar herzzerreissende irische Lieder, für die Einheimischen, die fröhliche südamerikanische Musik gewöhnt sind, mal was ganz anderes. Einer der Gäste, José, besaß eine Bananenplantage und brachte uns am nächsten Tag gleich eine riesen Kiste Bananen vorbei, noch grün. Aber wehe, sie reifen alle zur gleichen Zeit! Dann gibt es nur noch Bananen, Bananen und nochmals Bananen, bis sie uns zu den Ohren raushängen.


















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